Deutscher Weinadel im Saarland

Des Müllers Lust

… ist der Riesling. Und das bereits in der fünften Generation. Egon Müllers Scharzhof in Wiltingen an der Saar zählt zu den feinsten Adressen des deutschen Weinadels. Zu Besuch bei einer Winzer-Dynastie, in der auch die Kleinsten schon auf den edelsüßen Geschmack gekommen sind.

Trier und die Porta Nigra sind längst im Auto-Rückspiegel verschwunden. Nur die Saar zieht noch eine Weile neben der Straße ihre Bahn. Dann führt der Weg nach Wiltingen in die Weinberge, vorbei an steilen Rebhängen und Tälern, in denen warm die Sonne liegt, hinauf und hinunter, eingebettet in die grünen Wogen dieser Landschaft. In den breiten Wiesenstreifen zwischen den Weinstöcken glitzert noch der Tau, der Himmel über den Hügeln und der dunklen Borte der Bäume verspricht einen blauen Spätsommertag. Dann, ganz unvermittelt, hinter einer Anhöhe taucht er auf: Der Scharzhof, eine schlossartige Binnenhofanlage mit Rundturm, rosenumsponnenem Erker und hohen französischen Fenstern. Jugendstil, Schiefer und Sandstein, wie es für die großen Weingüter an der Saar typisch ist. Dahinter leuchtet das Grün des Scharzhofbergs, eine der besten Rieslinglagen Deutschlands.

Räume wie verwunschene Gärten

Kies knirscht, Rosenbäumchen blühen in der Einfahrt, und plötzlich stürzt ein Trupp Kinder zur Tür heraus, zwei Jungs, vorneweg ein kleines Mädchen mit Zahnlücke und rotblondem Haar. Wasser schwappt aus der Plastiktüte, die sie mit beiden Händen in die Luft hält. „Isabelle, nicht so wild!“, ruft Valeska Müller, die Hausherrin, da platzen auch schon die Wasserbomben der Jungs. Der semmelblonde Egon und sein Freund Anton schütteln sich die Tropfen aus den Haaren. „Willkommen!" Egon Müller, ein stiller, distinguierter Mann, sieht dem Kinderspaß im Hof mit leisem Lächeln zu. Der 51-Jährige, im Bordeaux, Kalifornien und Japan ausgebildet, ist einer der hervorragendsten Winzer Deutschlands. Und der Scharzhof nicht einfach nur ein Weingut, sondern ein Stück deutsches Kulturgut, „a national treasure“, wie der britische Weinpapst Hugh Johnson schwärmt.

Der kleine Egon repräsentiert bereits die fünfte Generation jener Dynastie, die zusammen mit den Rothschilds oder Antinoris zu den „Primum Familiae Vini“ gehört, den bedeutendsten Winzerfamilien der Welt. „Hauptsache ein Egon“, lacht Valeska Müller, habe ihr Mann gerufen, als Isabelle vor sieben Jahren geboren wurde. Leider gebe es keine weibliche Form des Namens, weswegen man es dann eben mit dem zehnjährigen Egon habe gut sein lassen.

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