Besuch bei Hilal Sezgin

Umzug ins Glück

Von einer, die weg wollte: Die Publizistin Hilal Sezgin hat der Großstadt den Rücken gekehrt und ihren Traum vom Landleben verwirklicht. 

Hilal Sezgin

COUNTRY: Es erscheinen eine Reihe von Büchern, in denen vor allem Journalisten von ihrer Flucht aufs Land und den Erfahrungen, die sie da machen, berichten. Sie heißen „Landlust“, „Landfrust“, „Das Gummistiefel-Gefühl“ oder „Schöner Mist“. Aber niemand von den Autoren wirkt so durch und durch zufrieden wie Sie?

HILAL SEZGIN: Ich habe die Bücher nicht gelesen, es wäre also unanständig, darüber zu urteilen. Den Plan, aufs Land zu ziehen, hatte ich ja schon lange vorher. Später dann wollte ich einfach davon berichten, wie sehr mich dieses Leben berührt. Im Unterschied zu den meisten anderen bin ich allerdings auch wirklich rausgezogen und nicht nur für die Wochenenden.

Ihr Buch heißt „Landleben“. Wann kamen Sie das erste Mal auf die Idee, damit ernst zu machen? Als ich in Frankfurt studierte. Da ist mir schmerzlich bewusst geworden, dass ich nur auf Häuserwände starre, es keine Jahreszeiten mehr gibt. Ich bin in Kronberg im Vordertaunus aufgewachsen, einer Kleinstadt vor den Toren Frankfurts. Den Kontrast zwischen Stadt und Natur habe ich schon da gespürt – und meine ersten Fantasien entwickelt.

Welche denn? Natürlich las ich als Kind Astrid Lindgrens Bücher über Bullerbü, aber auch ihr Buch „Kerstin und ich“. Darin geht es um einen Typen aus der Stadt, der wieder in sein Dorf zurückzieht und feststellen muss, dass er das Leben dort gar nicht beherrscht. Aber wie er und seine Familie sich in das Landleben hineinarbeiten, das hat mir sehr gut gefallen.
 

Vor vier Jahren haben Sie es dann riskiert und sind in ein 500-Seelen-Dorf bei Lüneburg gezogen. Wie kam es dazu? Zunächst einmal fühlte ich mich in der Stadt immer weniger wohl. Dazu kam, dass ich mit 36 Jahren meinen festen Redakteursjob gekündigt hatte und für eine halbjährige Vertretung bei der „Zeit“ nach Hamburg zog. Ich dachte mir: Jetzt bist du frei, du kannst deine Arbeit im Prinzip von jedem Ort in Deutschland aus machen. Ich habe mir dann den ganzen Sommer Häuser angeschaut. Irgendwann war es keine Frage mehr, ob ich aufs Land zöge, sondern: Wo gibt es das richtige Haus?

Sie sind sehr zielstrebig vorgegangen, haben sich im Internet viele Gegenden und Häuser angeschaut. Welche Kriterien gibt es?  Das wichtigste Kriterium ist: Ist man der richtige Mensch für dieses Leben. Wenn man das Brummen der Großstadt braucht, dann ist ein Dorf einfach nicht der richtige Ort. Da es im Prinzip egal war, wo ich suchte, habe ich – wie jemand, der mit dem Finger über den Globus fährt – mir erst einmal meine Gegend suchen müssen. Eine Voraussetzung war: Ich wollte für meine Freunde in Frankfurt und Berlin erreichbar sein.