Zu Besuch bei Gerdy Kohlmaier

Stadt, Land, Fluss

Am Wochenende hält Gerdy Kohlmaier und ihre Familie nichts mehr in Hamburg. Das Ziel: ein 200 Jahre alter Hof am Ufer der Alten Jeetzel in Niedersachsen. Hier lassen sie das Stadtleben einfach den Bach runtergehen.

Die Eicheln knallen auf den Rasen – immerhin sind die meisten Bäume über 20 Meter hoch. Man muss sich schon in Acht nehmen, um nicht eine ordentliche Kopfnuss verpasst zu bekommen. Ein Wahnsinnsspaß, finden dagegen der achtjährige Vincent und seine Freundin Lana, die gerade dabei sind, das Laub zusammenzurechen. Und davon gibt es jetzt im Herbst eine ganze Menge auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück.

„Nein, viel zu groß, das müssen wir uns gar nicht ansehen.“ Gerdy Kohlmaier erinnert sich noch genau an den Tag, als der Makler ihr ein Landhaus in der Nähe von Dannenberg im Hannoverschen Wendland anbot. Die Inneneinrichterin war gemeinsam mit ihrem Partner und Sohn Vincent auf der Suche nach einem kleinen Ferienhaus, um an den Wochenenden einen Ausgleich zum Hamburger Stadtleben zu finden. „Wir wollten Ruhe und vor allem, dass Vincent mal raus aufs Land kommt, Natur erlebt, frei und unbekümmert spielen kann. Wer träumt nicht von einem kleinen Bullerbü?“ Aus dem kleinen Bullerbü wurde allerdings ein großes: Vier Häuser stehen auf dem Grundstück, drei davon über 200 Jahre alt und fast genauso lange nicht renoviert.

Eine kleine Wildnis am Fluss, in der man Abenteuer erleben kann

Das leer stehende Haupthaus stammt aus dem Jahr 1778, die Scheune mit dem großen Kamin wurde 1884 errichtet. Dann gibt es noch ein kleineres, dafür aber von den Vorgängern restauriertes Wohnhaus und einen Schuppen für die Holzvorräte. Zu dem Anwesen gehören außerdem ein kleines Wäldchen und eine Weide, auf der die Pferde des Nachbarn stehen. Alles andere also als „ein kleines Häuschen auf dem Land“. Aber nachdem sich die drei an einem Wochenende Anfang 2004 bereits einige Immobilien in der Umgebung angeschaut hatten, zeigte der Makler ihnen doch noch das „Gut“ in Prabstorf, einem Dorf mit acht Höfen, direkt an der Alten Jeetzel, einem Seitenarm der Elbe. „Anschauen kostet ja nichts“, meinte der Makler.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Die hundertjährigen Eichen, Walnussbäume, das gemütliche Wohnhaus und das so ruhig dahintreibende Flüsschen hatten es Gerdy Kohlmaier sofort angetan. Und Vincent? „Der verschwand gleich im verwilderten Garten und redete auf der Heimfahrt von nichts anderem als dem Baumhaus, das wir dort bauen könnten“, erzählt die Österreicherin. „Da haben wir die anderen Gebäude und das riesige Grundstück gern in Kauf genommen.“