Zu Besuch bei Schauspieler Nils Owe Krack

Schauspieler auf Stadtflucht

Nils Owe Krack ist in zwei Traditonshäusern zu Hause: im Hamburger Ohnsorg-Theater und im Reetdachhof.

Der Fluss, kaum breiter als ein Doppelbett. Der Deich, kaum höher als ein Kleiderschrank. Dahinter duckt sich ein Fachwerkbau, dem Spaziergänger das Reetdach kraulen können, wenn sie die Hand ausstrecken. Auf dem Billwerder, einer Insel zwischen Elbe und ihrem Nebenfluss Bille, spielt Hamburg Hobbit- Land: Um ein dörfliches Zentrum liegen malerische kleine Höfe verstreut. Statt saftiger grüner Hügel, wie im Auenland, erstreckt sich eine struppige Marschlandschaft bis zum Horizont: die Boberger Niederung, ein 350 Hektar großes Naturschutzgebiet und Vogelparadies.

„Wir haben hier so viele Fischreiher und Greifvögel, wie’s in der Innenstadt Tauben gibt“, sagt Nils Owe Krack, der Besitzer des Häuschens: ein 1760 erbautes, denkmalgeschütztes, restauriertes „niederdeutsches Zweiständer-Hallenhaus“. Etwa 20 Autominuten dauert die Zeitreise – zum größten Hafen Deutschlands, in überfüllte Einkaufsstraßen, weltberühmte Rotlicht- und Szeneviertel, zu den Museen,Theatern und Konzerthäusern der Hansestadt.

Nils Owe Krack lehnt in der Eingangstür, die kaum höher ist als er, etwa 1,80 Meter. Ohne viel Make-up könnte er in die Rolle des Hobbit-Heldens Frodo schlüpfen: Er hat ein junges, offenes Gesicht mit großen, strahlenden Augen, und er ist Schauspieler, „en grootaartige Schauspeler, de mit Paraderullen glänzen doot“, wie ein begeisterter Kritiker schrieb. Nils Owe Krack gehört seit 2003 zum Ensemble des Hamburger Ohnsorg-Theaters, wo er als plattdeutsch sprechender „Jung“ brilliert. Auch Liese, die Rottweilerin an seiner Seite, ist nicht einfach zu verstehen: Sie fletscht zur Begrüßung die Zähne zu einem breiten Lächeln. Wie kommt der modisch, urban und friedlich aussehende Mann zu einem kleinen Bauernhaus und zu einem furchterregenden Hund?

Quelle:
Autor:
Petra Mikutta