Martin Eder

Provokante Blumenbilder

Blumenstillleben als Gesellschaftskritik, Blüten in ironischer Performance – der Künstler Martin Eder spielt mit einem klassischen Genre, um zu provozieren. Wie schön, dass die Werke dennoch richtige Schmuckstücke sind.

Vom griechischen Maler Zeuxis wird berichtet, er habe auf einem Wandbild Trauben so täuschend echt dargestellt, dass Vögel nach ihnen pickten. Wer Martin Eders neue Bilder sieht, eine Serie von Blumenstillleben, könnte meinen, der 1968 Geborene lege es auf einen Wettstreit mit antiken Vorgängern wie Zeuxis an – so offen bestäubungswillig die filigrane Orchidee, so saftig prall die roten Vogelbeeren, so staubig knisternd manch leicht angetrocknet wirkendes Blatt.

Eder lacht nur, als man ihn fragt, ob er die Wirkung der Bilder im Garten hinter seinem Studio überprüft hat, in dem Palmen stehen, Tomaten und viele sich aneinander hochrankende Schlingpflanzen. Und nein, mit der Geburt seines inzwischen zwei Jahre alten Sohnes oder mit der gut halbjährigen Kunstpause, die er sich im Jahr 2010 gönnte, haben seine neuen Motive nichts zu tun.

Motive aus dem Blumenladen an der U-Bahn

Dann erzählt er, wo er die überraschenden Hauptdarsteller seiner Werke in Wahrheit gefunden hat. Im Blumenladen einer U-Bahn-Haltestelle vor seiner Haustür in Berlin-Mitte. Verwelkt seien die Gestecke auch schon gewesen. Und Blumenbilder ja sowieso „das Böseste, was ein Künstler produzieren kann“.

Irgendwie war das klar. Denn Martin Eder ist kaum zu fassen. Viele seiner Motive, puschelige Perserkatzen etwa oder nackte Nymphen, erinnern auf den ersten Blick an Kaufhausposter. Eder weigert sich oft, Definitionen seiner Arbeit zu liefern, dennoch sagt er Sätze wie: „Als Künstler ist man auch Arzt.“ Seine großformatigen Ölgemälde schließlich erzielen inzwischen sechsstellige Euro-Summen, den Kunstbetrieb allerdings vergleicht er mit Zahnbelag.

 

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