Krimi schreibende Pastorin

Mord à la carte

Sie predigt Moral und schreibt über Verbrechen: Die Pastorin Tanja Griesel entdeckt in ihrem ersten Kriminalroman die abgründigen Seiten des Dorflebens.

Pastorin in Dorfkirche

Maxie konnte zusehen, wie die Mischung aus Ei und Zucker schaumig wurde … Jetzt das Mehl. Sie ließ es langsam in den Teig rieseln. Augenblicklich bekam sie eine Gänsehaut. Sie mochte das knisternde Geräusch, wenn das Mehl auf den Schaum traf. Wie leise Schritte auf Pulverschnee.“

Wer solch poetische Worte für eine Tätigkeit findet, die in Rezepten profan mit „untermischen“ bezeichnet wird, muss eine besondere Leidenschaft fürs Backen haben. „Nicht nur fürs Backen“, sagt Tanja Griesel, die Autorin des Krimis „Rothard“. „Kochen macht mir genauso viel Spaß.“ Die 37-jährige Frau mit den blonden, schulterlangen Haaren lehnt sich auf dem Stuhl zurück, blickt durch die Sprossenfenster ihres Esszimmers auf die sanfte Hügellandschaft und verrät bereitwillig ihr persönliches Geheimrezept für eine köstliche Martinsgans: „Zuerst wird sie durch ein Honigbad gezogen und dann mit Äpfeln und frischem Beifuß gefüllt.“

Keine leichte Kost

Kein Wunder, dass so eine kulinarisch begeisterte Schriftstellerin ihren Debütroman nicht schnöde in Kapitel aufteilt. Griesel erzählt die Geschichte von der extravaganten Maxie Kaiser – einer Restaurantbesitzerin in einem kleinen Ort, die, statt mit Schürze, in Prada-Kleidern kocht und ständig Ärger mit den Dorfbewohnern hat – anhand eines 13-Gänge- Menüs. Nicht immer leichte Kost: So ereignet sich zum Beispiel schon beim Amuse-Gueule (ausgebackene Erdäpfel mit Melisse und Fleur de Sel) ein tödlicher Unfall. Der Gourmetkritiker Rolf Bauer, der delikater Weise auch Maxies Liebhaber ist, stirbt. Dass es sich dabei um Mord handelt, erfährt man allerdings erst bei der „Forelle auf Rieslingschaum“. Laut Menüfolge also vier Kapitel später.