Besuch bei Familie Rundholz

Modernes Leben im alten Hof

Carsten und Lenka Rundholz entwerfen Mode, die internationale Erfolge feiert. Ihre Kleider entstehen dort, wo sie mit den beiden Söhnen leben: auf einem raffiniert erneuerten Bauernhof am Niederrhein.

Ländlich und leger in Jeans, T-Shirt und Jacke sehen Carsten und Lenka Rundholz nicht aus, wie man sich international erfolgreiche Modedesigner vorstellt. Sie bestreiten Messen in Paris und New York. Sie expandieren erfolgreich mit Showrooms in Düsseldorf und München. Auf Asienreisen lassen sie sich inspirieren. Aber sie leben in einem 200 Jahre alten Bauernhof am Niederrhein, wo die Landschaft flach ist wie frisch gebügeltes Leinen und durchzogen mit romantischen Flussläufen – ein ideales Umfeld für ihre fußballbegeisterten Söhne, den zehnjährigen Liam und den achtjährigen Luis.

Hinter mannshohen Buchenhecken, riesengroßen Kastanienbäumen und gewaltigen Buchen ist das stattliche, ebenerdige Backsteinhaus von der Straße her kaum zu sehen. Ein mit Kopfstein gepflasterter Weg führt vom doppelflügeligen Eisentor im großen Bogen direkt auf den Eingang der Diele zu. Hier gönnen sich Lenka und Carsten Rundholz am Nachmittag gerade die erste Kaffeepause. „Das Haus stammt zwar von 1811“, erklärt der Modedesigner, „aber das ganze Ensemble ist eher ein schelmisches Bauernhof-Idyll, an dem längst nicht alles authentisch ist. Das kleine Fachwerkhaus, in dem heute Stoffballen lagern, stand früher als Backhaus im Schwarzwald. Der Vorbesitzer ließ es dort abtragen und hier wieder aufstellen. Wir finden, dass es perfekt zum Wohnhaus passt.“

Drei Gebäude verteilen sich heute auf dem 8000 Quadratmeter großen Grundstück: das Fachwerkhaus als Stofflager, eine Scheune als Atelier und das zimtfarbene Hauptgebäude mit tief herabgezogenem grauen Pfannendach als Wohnhaus. „Vorher lebten wir sehr beengt in einer Doppelhaushälfte,“ erzählt Lenka Rundholz, „und mit den Kindern wuchs die Sehnsucht nach einem Ort, an dem wir Arbeit und Familienleben verbinden konnten.“ Freunde zeigten ihnen das Anwesen eines Antiquitätenhändlers am Niederrhein. Das trutzige Haus mit seinen lodengrünen Fensterläden wirkte völlig überladen. Der Garten bordete über von bunten Blumen und Rhododendronbüschen. "Wir hatten das Gefühl, in dem Ganzen gar keinen Platz zu finden“, beschreibt ihr Mann den ersten Eindruck. Das Paar vertagte den Hauskauf und fuhr in den Urlaub. Erst die zweite Besichtigung brachte sie dann auf die Lösung: einfach alles so schlicht und konsequent zu gestalten,wie ihre Mode – Landleben ja, aber mit klarem Konzept.

Die Scheune wurde mit bodentiefen Fenstern in ein Ateliergebäude verwandelt und durch einen überdachten Innenhof mit dem Wohnhaus verbunden. Aus den Häusern musste alle Buntheit weichen: Die grünen Fenster sind heute weiß, die Läden anthrazit lackiert, der einstige Terrakottaboden ist mit schwarzem Gussbeton bedeckt. Die Wände sind weiß geschlämmt. Die Deckenverkleidungen wurden entfernt, damit die Balken sichtbar sind.

 

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