Slow Food: Otto Geisel

Mit Leib und Seele

Den achtsamen Umgang mit Mensch, Natur und Lebensmitteln fördert die internationale Vereinigung mit der Schnecke im Logo. Otto Geisel, der deutsche Vorsitzende von Slow Food, im Interview – ganz in Ruhe.

Otto Geisel

Der Chef von dem da, dieser Italiener, ist so ein linker Intellektueller“, raunt der ältere Herr in grüner Joppe seinem Tischnachbarn zu, als Otto Geisel beim ländlichen Kochfest in der geschmückten Stadthalle von Schwäbisch Hall ans Mikrofon tritt. Der Argwohn des Bauern aus dem Umland gegen den Vorsitzenden von Slow Food Deutschland ist überflüssig. Denn erstens ist der da nicht angestellt bei Carlo Petrini, dem italienischen Gründer der Bewegung. Zweitens ist Otto Geisel ein moderater Mann, verheiratet, zwei nette Kinder – und schwingt keineswegs die rote Fahne. Der 47-Jährige stammt aus einer Münchner Gastronomenfamilie, die mal ein Festzelt auf dem Oktoberfest führte. Heute ist er Patron des Viersternehotels Victoria, das seine Großmutter in Bad Mergentheim erwarb. Hier isst man hervorragend, das Haus ist einladend, manchmal lockt Live-Swing-Musik in die Bar. Wenn Otto Geisel an der Spitze von Slow Food Deutschland allerdings vehement kämpft gegen Fast Food, Fertigprodukte, Chemie im Essen und für den achtsamen Umgang mit Kreatur, Natur und Landwirtschaft (und zwar ohne Partei im Rücken), müsste das dem bäuerlichen Skeptiker nur recht sein. COUNTRY sprach mit Otto Geisel über seine Ansichten und Absichten.

Herr Geisel, nachträglich herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl als Vorsitzender von Slow Food Deutschland. Trotzdem die Frage: Sie sind Hotelbesitzer mit Sterne-Restaurant – ist das nicht genug Arbeit?

Otto Geisel: Klar, aber Slow Food ist eine Lebenseinstellung. Sie nimmt viel Zeit in Anspruch, ist aber kein Job, sondern Engagement für etwas, das mir am Herzen liegt: der bewusste Genuss und das Gespräch darüber, um die Geschichte „hinter“ dem Lebensmittel kennenzulernen.

Wozu? Weil Wissen den Genuss erhöht, ihn manchmal sogar erst wirklich möglich macht.

Was ist so wichtig am Genießen? Unsere Lebensqualität und damit ein beträchtlicher Teil unseres Glücks – dem wir ja alle so hinterherjagen – haben direkt mit gesundem, gutem Essen zu tun. Und da reicht es nicht, nur ab und zu mal gut zu essen.

 

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