Interview mit Architekt

Alte Hütte, neuer Glanz

Getarnt mit einer Fassade aus Holzscheiten, schmiegt sich der neue Anbau an das alte Sommerhaus in Brandenburg. Architekt Thomas Reinke erzählt, wie man beim Umbau den Charme eines Hexenhäuschens bewahrt.

Rotes Häuschen

Das sah sofort nach etwas Besonderem aus. Klein, aber oho! Die Einsendung von Thomas Reinke aus Berlin für den COUNTRY-Wettbewerb „Landhaus 2012“ im vergangenen Jahr weckte die Neugierde der Jury. Der Architekt hatte ein Sommerhaus aus dem Jahr 1928 um einen modernen Anbau erweitert. Dessen Grundfläche misst im Innenraum gerade einmal elf Quadratmeter. Diese gelungene Kombination aus historischer Bausubstanz und einem zeitgenössischen Entwurf war den Juroren eine besondere Erwähnung wert. COUNTRY stellt das Kleinod vor, rund 60 Kilometer südlich von Berlin gelegen.

Der Mann mit dem Plan
Thomas Reinke

 

Thomas Reinke, 47, studierte Architektur in London und Berlin. Hier sitzt er in einem Fenster des Anbaus. Info: www.thomasreinke.net
COUNTRY: Was war Ihr erster Gedanken bei diesem Entwurf? Thomas Reinke: Es reizte mich, auf kleinster Fläche möglichst viel Raum zu schaffen. Die Bauherren wünschten sich einen Anbau, der die bereits bestehende Küche erweitert und in dem zusätzlich ein Bad und sanitäre Anlagen Platz finden sollten. Die Grundfläche des Anbaus misst im Innenraum elf Quadratmeter.
 
Warum haben Sie nicht gleich größer gebaut? Es wurde nicht mehr Platz benötigt. Die Eigentümer nutzen das Haus nur von April bis Oktober. Das Leben spielt sich in dieser Zeit meist unter freiem Himmel ab. Der Anbau für Küche und Sanitäranlagen sollte mehr Komfort bieten, nicht mehr Platz. Außerdem würde ein viel größerer Anbau neben dem alten Häuschen mit seinen 28 Quadratmetern überdimensioniert wirken. Er hätte die Atmosphäre des Areals in Mitleidenschaft gezogen.
 
Was ist für Sie das Besondere an dieser Szenerie? Das Sommerhäuschen liegt in einer Waldsiedlung, direkt am See mit eigenem Steg. Die größeren Nachbarhäuser sieht man aber überhaupt nicht. Auf dem Grundstück fühlt man sich wie auf einer Insel.
 
War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie das alte Haus mit einem modernen Anbau kombinieren wollen? Ich hatte für die Bauherren vorsichtshalber noch eine konventionellere Variante geplant. Die sah eher wie eine unspannende Kiste aus. Zum Glück begeisterte sich das Paar sofort für die kreativere Alternative. Es war eine tolle Zusammenarbeit. Das ist nicht immer der Fall. Manchmal haben Bauherren zu wenig Vertrauen in den Architekten, dass er das richtige Maß an Modernität findet. Andererseits muss man Bauherren häufig bremsen, weil sie mit ihren Vorstellungen von Modernität über die Stränge schlagen.
 
Inwiefern? Sie verwechseln Modernität mit Auffälligkeit. Dann muss ein Glaskubus das Gebäude durchschneiden oder Ähnliches. Ich bin der Meinung, ein Bau sollte eine gewisse Lässigkeit ausstrahlen. Er sollte aussehen, wie zufällig hingeworfen – nicht gewollt und bemüht.
 
Quelle:
Autor:
Sven Hasselberg
Fotograf:
Gregor Hohenberg