Interview: Nathalie Nierengarten

Illustrieren heißt erhellen

 Ein Interview mit der Illustratorin und Designerin Nathalie Nierengarten, die unter anderem, die Vorlage für das gestickte Cover der Country-Spezial „Gartenmöbel“ gestaltete. 

der Gärtner

Immer wieder bekommen wir Komplimente über die Illustrationen in unseren Heften. so auch für die Cover-Vorlage der letzten Garten-Spezial Ausgabe, die aus der Feder unserer Illustratorin Nathalie Nierengarten stammt. Grund genug also, sagten wir uns, die junge und talentierte Zeichnerin hier vorzustellen. Denn illustrieren kommt aus dem lateinischen Wort „illustrare“ und heißt schließlich erleuchten, erhellen, veranschaulichen.

Nathalie Nierengarten erblickte 1984 mit einem Rotring Rapidograph in der Hand das Licht der Welt. In einem kleinen Ort namens Meisenthal in den Vogesen (Frankreich-Lothringen) verbrachte sie zwischen Wald und Wiesen und einer kleinen Schwester an der Hand ihre Kindheit. Sie ist eine liebenswerte, rothaarige Französin, mit einem wunderbar humorvollen Augenzwinkern auf unsere Welt. Ihren für uns Teutonen so poetisch klingenden Nachnamen „Nierengarten“ erbte Sie von Ihrer deutschen Großmutter. Ob der Name einen jüdischen Hintergrund hat, konnte Sie unter den tausend Fragen die wir an sie hatten, nicht beantworten.

Nathalie Nierengarten

Nathalie Nierengarten bei der Arbeit

Country: Die letzten Illustrationen, die Du für Country gemacht hast, war einmal die Kreuzstich-Vorlage für das Cover der Garten-Spezial-Ausgabe und in der September-Ausgabe illustriertest Du den Artikel über Gräfin Sybil Schönfeld (Autorin, Journalistin und Kinderbuch-Übersetzerin unter anderem von Astrid Lindgren). Was hat Dich dabei inspiriert?

Nathalie: Vor allem der Artikel über die Gräfin Schönfeldt hat mich persönlich so angesprochen, da kamen die Bilder wie von selbst und bei der Cover-Zeichnung war es genauso.

Woher lässt Du Dich grundsätzlich gerne inspirieren? Oh, das ist schwierig zu beantworten. Es sind mehrere Komponenten, die einen Einfluss auf meine Arbeit haben. Grundsätzlich sind es Werke anderer Künstler, moderne und auch klassische. Außerdem fotografiere ich gerne analog, wodurch der Blick figurativ wird und aus meinen Skizzen von Gegenständen, Bildern, Menschen und Momenten stelle ich Fantasiewelten zusammen. Manchmal ist es auch nur ein Wort, eine Farbe, Farbkombinationen, eine Textur oder ein Klang. Doch letztlich spielt der eigene Kopf - die Vorstellungskraft - eine große Rolle, was zum Schluss herauskommt. Beim Arbeiten höre ich meistens klassische Musik und Opern. Das entspannt mich und ich kann besser fokussieren.

Ist es Dir schon mal passiert, vor einem weißen Blatt Papier zu sitzen und einfach keine Idee zu bekommen? Was machst Du in so einem Fall? Oh ja! Das passiert eigentlich bei jedem neuen Auftrag, den ich bekomme. Meistens immer in dieser Reihenfolge: Auftrag kommt – Euphorie und große Freude – dann anfangen – nichts – nichts – immer noch nichts – dann Verzweiflung und Bauchschmerzen – dann einfach darüber schlafen oder anfangen. Egal wie, einfach darauf los zeichnen, dann geht es irgendwann von alleine, skizzieren, Ideen sammeln, Brainstorming. Wieder anfangen, verzweifeln und weitermachen. Es ist immer eine Gefühlsachterbahn. Von Euphorie über Verzweiflung zu Angst, doch am Ende wird alles gut und sieht toll aus. Dann bin ich wieder sehr euphorisch und stolz. Das ist das Schöne!

Was passiert oder empfindest Du, wenn Dich plötzlich eine Idee oder ein Geistesblitz erhascht? Sofort loszeichnen! Ich habe extra dafür eine spezielle Abteilung in meinem Block. Aber auf keinen Fall eine Idee fliehen lassen, irgendwann kann man die immer verwenden und dann zum Leben erwecken.

 

Autor:
Celine Tognon