Das Cottage des Künstlerpaares Makepeace

Hausbesuch beim Möbeldesigner

Holz und Handwerk sind sein Metier. Flora und Fauna sorgen für die Inspirationen des englischen Möbeldesigners John Makepeace und seiner Frau Jennie.   

Wie ein Symbol für Geschichte, Tradition und Stabilität erscheint das Herrenhaus hinter der hohen Eibenhecke am Rande von Beaminster in der südenglischen Grafschaft Dorchester. Doch das purpurfarbene Einfahrtstor lässt vermuten, dass sich hinter der Sandsteinfassade Moderneres verbirgt. Der Besitzer steht zur Begrüßung vor der Haustür. Korrekter Scheitel, eigenwilliges Kinn, straffe Haltung, dazu ein kanariengelbes Hemd. John Makepeace, Jahrgang 1939, ist gelernter Kunsttischler, einer der bedeutendsten Möbeldesigner der Gegenwart und Hauptinitiator der Wiederbelebung des Kunsthandwerks in England.

1976 gründete er das renommierte Parnham College in Dorset als Schule für Holz-Spezialisten. David Linley, Neffe der Queen und von den Medien als berühmtester Zimmermann seit Jesus Christus gefeiert, und Konstantin Grcic, einer der einflussreichsten Industriedesigner Deutschlands, waren hier Schüler. Doch 2001 verabschiedete John Makepeace sich von der Akademie und zog mit Ehefrau Jennie knapp zwei Kilometer weiter nordöstlich nach Beaminster. „Unser neues Haus ist gediegen und vollendet proportioniert“, sagt Mr. Makepeace und bittet in eine leuchtend blaue Eingangshalle. „Baulich haben wir nichts verändert. Aber unser Interieur ist nichts für jene, die starke Farben scheuen.“ 

Die traditionelle Fassade täuscht 

Allerdings. Der pinkfarbene Essraum im Erdgeschoss oder das türkisfarbene Schlafzimmer mit sonnengelber Decke eine Etage höher – jeder Raum in dem dreistöckigen Haus überrascht mit neuen kräftigen Tönen und Kontrasten. „Farben spielen eine große Rolle, wenn man sich zu Hause wohlfühlen will“, betont der Designer. Weiße, minimalistisch eingerichtete Interieurs sind ihm ein Gräuel: „Leider haben wir die Fähigkeit verloren, mit Farben umzugehen. Wir lieben sie in Gärten, scheuen uns aber vor ihnen in unseren vier Wänden.“ Die größte Attraktion des Hauses ist, neben einer beachtlichen Sammlung zeitgenössischer Kunst, Makepeaces Kollektion maßgefertigter Möbel aus heimischen Laubhölzern. Darunter Stühle und Tische aus Mooreiche, Esche und Maulbeere; Schränke aus Ulme und Walnuss; ein Himmelbett aus Eibenholz. „Alles von mir entworfen“, bemerkt John Makepeace, und man sieht, wie ihn das Interesse der Besucher freut.

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Autor:
Josephine Grever