Interview mit Christina Rådevik

Die schwedische Mittsommernacht

Christina Rådevik, Schwester der Modedesignerin Gudrun Sjödén, über das schönste Sommerfest überhaupt – die schwedische Mittsommernacht.

Christina Rådevik

Zur Sonnenwendfeier mit „Midsommarstång“ bereitet Christina Rådevik ...

Das Licht, die Tradition, die Bräuche, die „Juni-Nacht, die niemals kommt“, wie es in einem Gedicht heisst – die Mittsommernacht umgibt auch bei uns ein besonderer Zauber. Aber wer könnte darüber besser Auskunft geben als eine Schwedin? Christina Rådevik ist die jüngere Schwester der Modedesignerin Gudrun Sjödén. Vor 30 Jahren gründete sie den deutschen Unternehmenszweig – heute der erfolgreichste weltweit.

COUNTRY: Mittsommernacht ist in Ihrer Heimat Schweden ein besonders bedeutendes Fest. Wie feiert man sie?

CHRISTINA RÅDEVIK: „Midsommar“ ist für uns das Zwillingsfest zu Weihnachten. Drei Tage lang wird gefeiert – meist auf dem Land. Die Stockholmer zieht es in die Schären, doch die meisten treffen sich am Mittsommerabend und eigentlichen Höhepunkt des Festes auf einer Wiese. Man bindet gemeinsam den „Midsommarstång“, eine Art Maibaum, sitzt beisammen, isst, spielt und tanzt.

Gibt es einen besonderen Mittsommertanz? Inzwischen wird auch modern getanzt, doch vor allem tanzt man die alten Rundtänze um den „Midsommarstång“ herum. Oder man sieht den Folklore-Aufführungen zu. Dazu wird sehr viel Geige gespielt, aber auch Ziehharmonika.

Heringsgericht

 ... und ein traditionelles Heringsgericht zu.

Ein typischer „Midsommarstång“ – wie wird der geschmückt? Mit viel frischem Birkenlaub. Für die beiden Kränze, die links und rechts den Querbalken zieren, verwendet man aber auch viele Wiesenblumen und Gräser. Zum Schluss kommt dann noch die schwedische Fahne an die Spitze.

Und auch die Frauen schmücken sich? Ja, man geht in Tracht, und viele Frauen tragen Kränze aus Wiesenblumen. In der Mittsommernacht soll man als junges Mädchen da, wo sich drei Wege kreuzen, sieben verschiedene Blumen pflücken, denn ungerade Zahlen bringen Glück. Das Sträußchen legt man sich unters Kopfkissen, dann erscheint einem der zukünftige Ehemann in dieser Nacht im Traum.

Welche Legenden ranken sich noch um Mittsommer? Es heißt, man kann die Elfen tanzen sehen und die Trolle, wie sie hinter den Bäumen stehen. Der Morgentau soll kranke Menschen und Tiere heilen können. Und wer an einen einsamen Bach kommt, kann dem Geigenspiel von Neck, dem Wassergeist, lauschen, der dort nackt auf einem Stein sitzt und fiedelt.
 

 

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