Interview mit Andreas Maier

Der Paravent-Künstler

Andreas Maier hat seinen Beruf als Tierarzt aufgegeben und sich ganz der Kunst verschrieben. In seinem Berliner Atelier entstehen aufwendig gestaltete Paravents – Bühnenbilder für das tägliche Leben.

COUNTRY: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Paravents zu gestalten? Andreas Maier: Paravents haben mich schon sehr früh beeindruckt. Als Austauschschüler in Paris bin ich diesem mobilen Möbel das erste Mal begegnet: Es stand hinter dem Sofa im Wohnzimmer meiner Gastfamilie. Seitdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.

Andreas Maier

Dr. Andreas Maier hat seinen Beruf als Tierarzt aufgegeben und sich ganz der Kunst verschrieben.

Was fasziniert Sie an Paravents? Ihre Anpassungsfähigkeit, wodurch sie den Hintergrund für andere Einrichtungsgegenstände schaffen können. Darüber hinaus ihre Bewegung, mit der sie Räume gestalten und die sie dem Motiv verleihen.
 
Wie entstehen Ihre Kunstwerke? Meistens sind es Auftragsarbeiten. Ich fertige Entwürfe nach den Wünschen der Kunden an. Motiv und Modell des Paravents hängt dabei von seiner Verwendung ab, damit er dem jeweiligen Raum gerecht wird.
 
Welche Arbeitsschritte erfordert die Herstellung Ihrer Artefakte? Als Basis dienen Stabholzplatten, die glatt verspachtelt und hauchdünn mit einer Klebeflüssigkeit überzogen werden, auf der dann das Blatt- oder Imitationsgold haftet. Danach graviere ich die Motive mit unterschiedlichen Instrumenten in die Oberfläche und koloriere sie mit Acryl, Tempera oder Gouache. Dieser Arbeitsprozess dauert acht bis zehn Wochen.
 
Bewegende Naturschauspiele
Paravent von Andreas Maier

Paravent mit Koi-Karpfen-Motiv

Was inspiriert Sie zu den Motiven, die auf Ihren Kunstwerken zu sehen sind? Kleine Naturschauspiele: ein Teich mit Fischen, der durch ihre Bewegung ständig seine Erscheinung verändert. Oder Schmetterlinge, wie sie von Blüten angezogen werden. Kurz gesagt: Zoologie und Botanik.
 
Fische – oder besser Koi-Karpfen – scheinen Sie besonders zu mögen? Bei einem Aufenthalt in San Francisco fiel mein Blick im Japanischen Garten auf einen Teich mit Koi-Karpfen. Das hat mich an meine Kindheit erinnert, in der wir gern Goldfische fütterten und beobachteten, wie die Tiere in kleinen und großen Gruppen nach und nach angelockt wurden. Dieses Déjà-vu hat mich zu meinem ersten Motiv inspiriert.
 
Haben Sie davor schon gemalt? Meine Mutter hat unsere Kreativität sehr gefördert, in meinem Abitur war Kunst ein Schwerpunktfach. Seitdem habe
ich immer gemalt, auch während meiner Tätigkeit als Tierarzt. Aber erst vor 13 Jahren habe ich entschieden, mich ganz der Malerei von Paravents zu widmen.
 
Sieht man Paravents in Ihrer Wohnung? Ich lebe mit meiner Kunst und führe gern Kunden durch meine Wohnung, um die unterschiedliche Wirkung meiner Arbeiten zu zeigen.
 
Wie integriert man einen Paravent am besten in ein Wohnambiente? Er kann ein Sofa oder Bett flankieren, um Gemütlichkeit zu vermitteln. Eine Raumteilung gelingt sehr gut mit großen Modellen: Dahinter verschwindet sogar ein begehbarer Kleiderschrank. Auch die Größe der Architektur kann ein Paravent beeinflussen: Hohe, schmale Paneele betonen die Höhe, gedrungene, breite die Ausdehnung eines Raums.
 
Kunstwerke von der Natur inspiriert: Die Paraventbilder von Dr. Andreas Maier sind Momentaufnahmen und scheinen doch ständig in Bewegung zu sein. Sein Atelier: Ansbacher Straße 58, 10777 Berlin. Informationen: www.andreasmaier.com
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Autor:
Andrea Wolff