Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

Das Wisent-Projekt

Im Rothaargebirge sollen Wisente wieder in freier Wildbahn leben – erstmals im westlichen Europa. Ein Gespräch mit Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, dem Initiator des Projekts. 

Wisent

Der Fremde sieht erst mal nur Wald, dazwischen schwarz-weiße Dörfer mit Fachwerk und Schieferdächern. Hier, im äußersten Südosten Nordrhein-Westfalens, schwingt sich das Rothaargebirge bis zu Höhen von 840 Metern auf. Das Gebiet der Stadt Bad Berleburg besteht zu zwei Dritteln aus Wald, und davon wiederum gehört ein beträchtlicher Teil der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg – die damit zu den größten privaten Waldbesitzern in Deutschland zählt. Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg ist ein unerschrockener Vertreter der Sorte „hart, aber herzlich“ – ein Raubein mit empfindsamem Kern und dem Selbstbewusstsein desjenigen, dessen Familie hier seit dem 13. Jahrhundert das Sagen hat. Seine Frau Benedikte ist die Schwester der dänischen Königin Margarete II., die sie häufig bei offiziellen Anlässen vertritt. Er dagegen macht sich nichts aus dem Repräsentieren und tummelt sich lieber im Wald und auf Wiesen.

COUNTRY: Prinz Wittgenstein, warum wollen Sie in Ihrem Wald gerade Wisente ansiedeln?

Prinz Wittgenstein: Darauf gibt es zwei Antworten. Zum einen sind es wunderbare, faszinierende Tiere, die auch früher in diesen Wäldern gelebt haben. Sie gehören in diese Landschaft und sind ein Stück biologische Vielfalt.

Und die andere Antwort? Die hängt damit zusammen, dass wir uns über Frau Höhn geärgert haben, die damalige Umweltministerin hier in Nordrhein-Westfalen. Die fing damit an, was wir hier alles haben sollten – Luchse, Otter und am liebsten auch noch Wölfe. Um die Leute ein bisschen von dieser Schnapsidee abzulenken, haben wir gesagt: Dann lasst uns hier doch Wisente ansiedeln!

War das auch ein bisschen Provokation? Es war der Impuls, sie beim Wort zu nehmen. Und es hatte auch den Hintergedanken, etwas für die Gegend zu tun.

Was gibt’s denn hier? Einige Kliniken, etwas Metallverarbeitung, ansonsten nur schlechte Landwirtschaft – aber eine traumhafte Landschaft. Es ging also auch darum, eine Attraktion zu schaffen, die etwas mit Natur zu tun hat. Alle waren sofort begeistert – die Stadt, das Land, das Bundesamt für Naturschutz, die Zoologische Gesellschaft in Frankfurt am Main.

Was bedeutet Natur für Sie? Natur heißt für mich Wald. Wald ist für mich lebenswichtig. Ich muss jeden Tag raus. Ich muss die Tiere sehen, die Bäume, die Leute, die da arbeiten, muss sehen, ob meine Ideen umgesetzt worden sind, neue Ideen entwickeln. Ohne Wald kann ich nicht leben.

Sind Sie hier in den Wäldern aufgewachsen? Bis zum zehnten Lebensjahr. Dann, kurz nach Ende des Krieges, kam ich mit meinem Bruder zu meinen Großeltern nach Schweden. Dort blieb ich bis zum Abitur, zum Studium bin ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Auf Wunsch meiner Familie habe ich erst Jura studiert, bin dann aber auf Forstwissenschaft umgesattelt.

Sie gehören zu den größten privaten Waldbesitzern Deutschlands und sind passionierter Jäger. Welches Wild aus Ihren Wäldern essen Sie am liebsten? Mir schmeckt Muffelwild am besten. Es hat einen außergewöhnlichen Geschmack, irgendwo zwischen Rehwild und Lamm. Wer die Möglichkeit hat, an Muffelwild zu kommen, sollte die Gelegenheit auf jeden Fall nutzen.

Können Sie selbst ein Reh ausnehmen und zubereiten? Ich habe in meiner Referendarszeit so viele Stücke aufgebrochen und weiter versorgt, das klappt heute immer noch. Das Zubereiten überlasse ich aber lieber den Spezialisten, die können das besser als ich.