Günter Wallraff

Das Urgestein

Seit über drei Jahrzehnten sorgt Günter Wallraff mit seinen Sozialreportagen für Zündstoff. Ruhe und Halt findet der Undercover-Journalist bei den Steinen.

Schonungslos und oft beschämend sind seine Enthüllungen über die deutsche Arbeitswelt: ob als „Bild“-Journalist Hans Esser, als türkischer Gastarbeiter Ali, ob als Bote beim Gerling-Konzern oder zuletzt als Billiglöhner einer Brötchenfabrik – wenn Günter Wallraff ab- und in den Alltag der kleinen Leute eintaucht, wird garantiert ein Skandal aufgedeckt.Vor ihm ist kein Geheimnis sicher – nur seine eigene Welt hält er im Verborgenen.

Die Thebäerstraße im Kölner Multikulti- Stadtteil Ehrenfeld: ein schmales, dreistöckiges Haus, grauer Putz, verrostetes Klingelschild: G. Wallraff. Hinter dieser unscheinbaren Fassade wohnt also Deutschlands berühmtester Undercover- Mann – mit seiner dritten Ehefrau und den zwei jüngsten von insgesamt fünf Töchtern. „Barbara ist mit den Mädchen in unser Rückzugsgebiet gefahren, ein altes Klostergemäuer am Rhein“, erzählt der 65-Jährige, während er federnden Schrittes durch den Flur zum Hinterhof geht.

1968 übernahm er die ehemalige Klaviermanufaktur seines Großvaters und verwandelte das verwahrloste Anwesen in ein gemütliches Zuhause, das auch Freunden wie Liedermacher Wolf Biermann und Schriftsteller Salman Rushdie zeitweilig als Unterschlupf diente. Neben dem idyllisch-verwilderten Garten, durch den noch Schienen führen, auf denen die Musikinstrumente transportiert wurden, befindet sich im früheren Kutschergebäude seine „Parallelwelt“: eine faszinierende Steinesammlung.