Hausbesuch bei Viktoria von dem Bussche

Das Schloss Ippenburg

Märchenhaft, lebendig, unkonventionell: Viktoria von dem Bussche hat Schloss Ippenburg bei Osnabrück mit ihren Gartenfestivals neu erfunden. Ein Besuch im gerade renovierten Wohntrakt. 

Das Schloss sieht aus, als hätte Moritz von Schwind es sich für eines seiner Märchenbilder ausgedacht. Heller Stein, Zinnen, Ecktürme, Treppengiebel, wuchernde Rosenhecken. Ein richtiges Dornröschenschloss. Nur dass zwischen den Rosensträuchern Pagodenzelte stehen, und der Park wimmelt vor Menschen. Gerade kommt ein neuer Bus mit Besuchern an. Ein Schild, „Gartenschau Bad Essen“, klebt vorne an der Windschutzscheibe.

Die niedersächsische Landesgartenschau findet in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt auf einem Privatgelände statt. Nämlich im Park von Schloss Ippenburg. „Eineinhalb Jahre“, sagt Viktoria von dem Bussche, „haben wir darauf hingearbeitet.“ Die Freifrau in Jeans und Poloshirt, Erde an den Gummistiefeln, ist eine Selfmadefrau. Vor zehn Jahren hat sie das Ippenburger Gartenfestival ins Leben gerufen und damit die Welle ausgelöst, die heute Hunderte begeisterte Gartenfans in den Park spült.

„Stadtleben? Nein danke!“

Aber jetzt stellt sie erst einmal ein kleines Mädchen wieder auf die Füße, das vor dem Schlossrondell hingefallen ist, plaudert mit einem älteren Herrn, der ihr im Küchengarten Komplimente über ihre Tomaten macht, und bittet dann ins Haus. „Eine Märchenfantasie?“ Viktoria von dem Bussche nickt. Friedrich Wilhelm, ein Vorfahr, habe sich das Schloss zwischen 1865 und 1867 im Geist der Zeit bauen lassen. Neogotik mit einem Tick Renaissance, eine steingewordene Mittelalterschwärmerei wie die Marienburg der Hannoveraner oder Ludwigs II. Märchenschloss Neuschwanstein. Opernhafte Fantasie-Architektur mit einer bemalten neugotischen Säulenhalle, Kassettendecken, Ahnenbildern und einem Turmzimmer, das mit filigranen Goldranken am tiefblauen Kreuzrippenhimmel wie der Tabernakelraum einer gotischen Kirche wirkt.

Aber auch spiegelnde Marmorböden, Rokoko- und Empire- Säle gibt es, Gobelins und Aubusson- Teppiche, riesige Kristalllüster, Gründerzeit-Möbel und Art-déco-Nippes – ein fantastisches Sammelsurium von Stilen und Epochen, garniert mit den überall verstreuten Spielsachen, Plastiktraktoren, Playmobilmännchen und Plüschtieren der Bussche-Enkelkinder. „Drei sind es“, sagt die 57-Jährige, „und das vierte soll jeden Moment kommen.“ Sie selbst hat vier Kinder großgezogen, Anton, Viktor, Zerlina und Fanny, die in Berlin lebt, aber gerade für ein paar Wochen nach Ippenburg gekommen ist. Das Haus sei immer voller Leben gewesen, erzählt Fanny, die mit einem erstaunten Lächeln durch die Zimmerfluchten führt, so als sähe sie heute alles zum ersten Mal. Ein offenes Haus. Keines dieser steifen Schlösser, in denen man das Gefühl hat, man dürfe nichts anfassen.

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Autor:
Simone Herrmann