Jürgen Kühls Landleben

Das Gut Krieseby

Mit jeder Menge Pferdestärken und Enthusiasmus gelingt Jürgen Kühl ein erstaunlicher Kraftakt: Ganz allein bewirtschaftet und erhält er das über 350 Jahre alte Gut Krieseby auf der Halbinsel Schwansen in Schleswig Holstein.  

Martin Luther, Nikolaus Kopernikus, William Shakespeare. Das Fachwerkholz der dreischiffigen Scheune hat berühmte Zeitgenossen. Als sie um 1650 gebaut wurde, waren die Eichen, aus denen das Gebälk gesägt ist, mindestens hundert Jahre alt. Grau und windschief ragen die Ständer auf, bis zu 14 Meter hoch und mager wie die Beine eines Models. Ärmchendünne Träger überspannen die Halle, groß wie ein Tennisfeld und düster wie eine Kathedrale bei Nacht. Sonne dringt durch das Reetdach, Lichtpunkte schimmern wie Sterne. Das Gebälk jault und schnalzt, knurrt und stöhnt.

„Meine Arbeit ist sinnvoll. Darum gibt sie mir Zufriedenheit“ 

„Ein befreundeter Statiker hat die Konstruktion aus Spaß nachgerechnet und herausgefunden, dass sie schon im Rohbau hätte zusammenbrechen müssen“, sagt Jürgen Kühl lachend und fügt ernst hinzu: „Die Vergangenheit, die hier lebendig ist, macht mich ehrfürchtig.Wir können einiges von ihr lernen.“ Sie zu erhalten ist seine Lebensaufgabe, die er in fünfter Generation übernommen hat – als Gutsherr. Jürgen Kühl ist ein zierlicher Mann mit hellwachen grauen Augen und rotblondem, widerspenstigem Haar.

Es lässt den 53-Jährigen jungenhaft und lustig aussehen, was zum Namen seines Anwesens passt: Krieseby, zwischen Rieseby und Sieseby auf der hügeligen Ostseehalbinsel Schwansen gelegen. Das Torhaus mit dem pagodenförmigen Holztürmchen und der schlossartige Herrensitz wurden 1749 von einem Kaufmann aus dem nahen Eckernförde errichtet – auf den Ruinen eines Rittergutes aus dem 15. Jahrhundert. Mit diesen Bauten und Lustgärten hatte sich der reiche Bürger Zutritt zu Adelskreisen verschafft.