Hausbesuch bei Modedesignern

Das Florian-Geyer-Schloss

Ein bewegter Ort mit 500-jähriger Geschichte: Die Mode-Designer Otto Drögsler und Jörg Ehrlich haben auf dem einstigen Florian-Geyer-Schloss in Mainfranken ihre kreative Heimat gefunden. 

Im Hof ist es still. Uralte Bäume formen ein grünes Gewölbe, ein eng verschlungenes Laubdach, so dicht, dass selbst die Mittagssonne an einigen Stellen kaum durchdringen kann. Nur hier und da flimmern kleine Lichtflecke golden auf dem Weg. „Wenn ich durch das Tor gehe“, sagt Jörg Ehrlich, „fühle ich mich wie in einer anderen Welt.“ Ruhe, eine fast klösterliche Stille empfängt jeden, der Ehrlich und seinen Partner Otto Drögsler in ihrem Zuhause bei Würzburg besucht.

Hier, zwischen Getreidefeldern und Weinbergen, am Rand eines kleinen Dorfes, wohnen die beiden Designer im ehemaligen Gesindetrakt eines Ritterguts aus dem 16. Jahrhundert, das einst zum Besitz Florian Geyers gehörte – „des Bauernkriegsführers.“ Otto pfeift ein paar Takte von „Wir sind des Geyers schwarzer Haufen“. Ein Ritter, der gegen die Herren für die Bauern kämpfte. „Die Geschichte endete in einem Gemetzel“, erklärt Jörg, während er durch die Spitzbogenräume hinaus auf die Terrasse geht. „Und zwar genau hier!“

„Ein ganz besonderer Zauber“ 

Der 47-Jährige zeigt auf die sonnenüberflutete Wiese. Ein Gemetzel? Hier, in dieser Idylle? „700 Bauern“, sagt Ehrlich, seien im Juli 1525 bei der Entscheidungsschlacht auf dem Gelände umgekommen. Und Drögsler erzählt von dem Abend, als ein Freund die dunklen, pilzbestandenen Ringe auf der Wiese bemerkte und im Scherz fragte, welcher Schatz dort denn vergraben sei. Metallisches wie Schmuck oder Waffen unter der Erde ziehe doch genau diese Pilze an. „Da wussten wir, wo die Wagenburg der Bauern war!“

Jetzt ist es heller Mittag. Eine Biene summt laut surrend einem Duft zu und verstummt plötzlich, als sie ihre Blüte gefunden hat. „‘Rose de Resht’, eine alte persische Sorte“, erklärt Otto Drögsler. Der 52-Jährige kennt alle seine Rosen mit Namen, ‘Abraham Darby’, ‘Constance Spry’, ‘A Shropshire Lad’ … – „inzwischen sind es über 40, es gibt aber 170 historische Sorten. Wenn ich die eines Tages alle beisammen habe, müssen wir wohl die Terrasse vergrößern“, lacht er. Im Sommer spielt sich das ganze Leben im Freien ab. Über den riesigen Eichentisch, den die Sonne silbern gebleicht hat, flitzen Ameisen, die Linden schütten ihren Duft herüber, ein Samstagmittag, eingehüllt in Sonnenschein und Vogelgezwitscher.

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Autor:
Simone Herrmann