Land-Gespräche

Auszeit von Miami

Beim Spazierengehen entdeckt, sofort gekauft: Eine vielfliegende Hamburgerin entdeckt ihr persönliches Paradies vor den Toren der Stadt.

Eigentlich wollte sie mit ihrer Mutter nur eine Landpartie unternehmen. „Wegen der Rapsblüte“, sagt Christine Fröhlich und lacht bei dem Gedanken, dass es ausgerechnet diese leuchtend gelbe Pflanze war, die ihr Leben so sehr veränderte. Wo sie doch Gelb gar nicht besonders mag. Die beiden Frauen waren erst kurze Zeit durch die Felder gestreift, als sie das Haus entdeckten – eine frei stehende Kate mit Reetdach von 1860, davor ein Schild, auf dem stand „Zu verkaufen“. „Wir klingelten sofort“, erzählt die Hamburgerin.

Schon bevor sie alle Zimmer besichtigt hatte, wusste die Chefin einer Werbeagentur: „Dieses Haus will ich haben!“ Und weil es so klein und kompakt ist – im Erdgeschoss befinden sich neben Küche und Bad lediglich zwei Wohnräume und unterm Dach zwei Schlafzimmer –, erklärte sie den früheren Besitzern überschwänglich: „Sie brauchen es nicht einzupacken, ich ziehe sofort ein!“ Weder die damals noch kornblumenblauen Fensterrahmen noch die gelb gestrichenen Wände konnten ihren Enthusiasmus bremsen. Vier Wochen später gehörte ihr das Mini- Anwesen mit 800 Quadratmeter großem Garten, nur anderthalb Autostunden von Hamburg entfernt. Mitten in einer lieblichen Hügellandschaft.

„Zuerst hatte ich ein wenig Sorge, dass ich mir mit diesem Haus einen Klotz ans Bein binde“, erzählt sie. Ein Urlaubsziel-Abonnement auf Lebenszeit sozusagen. Und auch ihre Freunde waren irritiert: Ausgerechnet Christine kauft sich ein Haus auf dem Land! Die Christine, die von einem Fotoshooting zum nächsten flog, in Mailand, Miami und auf Mauritius quasi zu Hause war. Was suchte sie da oben, irgendwo zwischen Schlei und Ostsee? „Mich haben immer Metropolen gereizt, das Tempo, die Abwechslung“, gibt sie zu. Aber irgendwann meldete sich diese unbestimmte Sehnsucht nach mehr Ruhe, der Wunsch, durchatmen zu können.