Tiere

Leben mit Wildschweinen

Ein Herz für Wildschweine: Mit Milchersatz aus der Babyflasche hat Ingeborg Janker zwei verwaisten Frischlingen das Leben gerettet. Für Bauern und Gartenbesitzer sind die gefräßigen Schwarzkittel dagegen vor allem eine Plage.

Ziehmutter und Wildschweine

Ein bisschen beschränkt ist er schon“, sagt Ingeborg Janker im nebligen Herbstwald und schaut zweifelnd zu ihren Füßen hinunter. Da lungert Herkules und lässt sich mal wieder von Gloria die Butter vom Brot nehmen. Besser gesagt: Trockenfutter, Brezeln und sogar den Rest vom begehrten Dosenfutter für Hunde, das Janker mitgebracht hat. Gloria ist ein Schwein – ein fast zweijähriges Wildschwein, das locker um die 60 Kilo auf die Waage bringt. Mit deftigem Schmatzen schaufelt sie vom feuchten Waldboden in ihre lange Schnauze hinein, was ihr ein Jahr jüngerer Artgenosse Herkules nicht schnell genug selbst gefressen hat. „Herkules ist irgendwie kein richtiger Keiler.“ Die 60-jährige Dame tätschelt das kleinere Wildschwein und lächelt entschuldigend: „Der war von Anfang an ein bisschen zurückgeblieben.“

Ingeborg Janker gehört zu den wenigen Menschen in Deutschland, die ein enges Verhältnis zu Wildschweinen haben. Auf ihrem ehemaligen Bauernhof in Zinzendorf bei Wörth an der Donau hat sie zwei verwaiste Frischlinge aufgezogen. So etwas geschieht eher selten, obwohl in Deutschland immer mehr der wilden Borstentiere leben. Experten lesen ihre steigende Zahl auch daran ab, dass Jäger heute rund zehnmal so viele Wildschweine zur Strecke bringen wie noch in den 60er-Jahren – eine runde halbe Million. Sogar auf Almen der Alpen werden schon erste Sauen gesichtet.

Die Schwarzkittel, wie Jäger sie nennen, besiedeln längst nicht mehr nur abgelegene Wälder, sondern tummeln sich mitten unter uns. Allein in Berlin sollen mindestens 5000 Wildschweine leben. Sie durchstreifen am hellichten Tag die Parks und locken begeisterte Zuschauer an, sorgen mit ihrer Futtersuche aber auch für Aufregung. Dank einer exzellenten Nase und einem muskulösen „Rüssel“ können sie im Boden bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern nach Würmern und anderer Nahrung wühlen. Weil die Tiere selbst vor Gräbern nicht haltmachen, müssen sie zum Beispiel auf dem Südwestkirchhof in Berlin oder dem Hauptfriedhof von Saarbrücken bejagt werden.