Pflanzen

Gräser und Halme

Leuchtende Halme, funkelnder Flaum: Es dauerte lang, bis Gärtner die Schönheit von Gräsern erkannten. Eine Hommage an unsere neuen Lieblinge, die bis weit in den Winter blühen und immer Haltung bewahren, selbst wenn ein Sturm über sie hinwegfegt.

Vielfalt

So fühlt sich Indian Summer an: Der Himmel erstrahlt in seinem schönsten Azur, und es ist erstaunlich warm für diese Jahreszeit. Leise wispern die Gräser im Wind. Die schon tief stehende Sonne lässt die rispigen, federartigen oder ährengleichen Blütenstände von Chinaschilf, Diamant- und Lampenputzergras in einem beinahe unwirklichen Licht erscheinen. Ein Japanischer Fächerahorn erhebt sich aus dem wogenden Gräsermeer. Sein scharlachrot loderndes Laub korrespondiert reizvoll mit den zitronengelben Chrysanthemen und den schon etwas müde aussehenden purpurfarbenen Dolden der Fetthenne zu seinen Füßen.

Floriansgarten heißt dieses idyllische Kleinod, das vor zwei Jahren auf gut 15 000 Quadratmetern im Westfalenpark entstanden ist. „Die Idee dahinter war, einen Garten für alle Jahreszeiten zu schaffen, verschiedene Bereiche, in denen jeweils im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ein besonderer Höhepunkt geboten wird“, erklärt Thomas Lolling, der gärtnerische Leiter der Anlage. „Jetzt im Herbst sind die Protagonisten natürlich die Gräser“, fügt er hinzu und streift mit den Händen über das schleierbildende Rispengespinst der Rutenhirse.

Wer bei dem Wort Gras an seinen gemähten Rasen denkt, wird von der Vielfalt im Floriansgarten überwältigt. Da wachsen Gräser in Ballform wie das Lampenputzergras. Andere, vor allem Bambusarten, entwickeln sich zu meterhohen Riesen, während viele Seggen vergleichsweise klein und zierlich bleiben. Gräserblüten können fuchsschwanzartig und flaumig sein, manche sind fedrig, andere bilden Ähren. Und viele Halme sind nicht einmal grün, sondern goldgelb wie das Japan-Waldgras oder blaugrau wie der Blau-Schwingel Festuca cinerea.

Schlagworte:
Quelle:
Autor:
Marion Lagoda