Die Krähe und der Rabe

Die Überflieger

Den meisten Menschen sind Krähen ein wenig unheimlich. Wissenschaftler verblüffen sie dagegen seit jeher mit ihrem Verstand. Jetzt sind die Intelligenzbestien wieder im Anflug.

Krähe

Die dunkle Jahreszeit naht mit ohrenbetäubendem Lärm. „Krah“ oder „Kiack“ hallt es durch Häuserschluchten. Vom Himmel ist kaum noch etwas zu sehen, wenn sich im Herbst und Winter rund um den Berliner Alexanderplatz um die 40 000 schwarze Vögel versammeln. Sie kreisen nachmittags im Schwarm über den Dächern, bis sie sich in kleinere Gruppen aufteilen, um in den Bäumen ihre Schlafplätze zu suchen. Wenn man sich von ihrem Krächzen nicht erschrocken abwendet, kann man aus dem Lärm feine Unterschiede heraushören. Die tiefen Töne stammen von Saatkrähen, während die schrillen, abgehackten „Djacks“ von Dohlen mehr ausgestoßen als gerufen werden.

Beide Arten, Saatkrähen und Dohlen, kommen im Herbst als Wintergäste zu Hunderttausenden aus der weiten russischen Ebene, der Ukraine und aus Polen nach Deutschland. Sie bevorzugen die wärmeren Städte, tauchen aber auch in großer Zahl auf Ackerflächen oder in Dörfern auf. Der ungeübte Beobachter wird beide Arten nicht unterscheiden können, womit man mitten in der Krähenproblematik gelandet ist. Krähenoder Rabenvögel, Corvidae genannt, sind eine Familie mit 115 Arten.

Spricht man über die vorwiegend oder ganz schwarzen Krähenvögel, meint man die Gattung Corvus mit 40 Arten. Dazu zählen in Deutschland neben der Saatkrähe und der Dohle noch der Kolkrabe, die Nebelkrähe und die Rabenkrähe. Wobei die beiden Letzteren als Unterarten der Aaskrähe bezeichnet werden. Man kann aus dieser Zusammenstellung entnehmen, dass es dem Belieben jedes Einzelnen überlassen bleibt, ob man sie als Raben oder Krähen bezeichnet. Lateinisch heißt Corvus Rabe, womit sie alle Raben wären, und wenn Krähe für vorwiegend schwarz gefärbte größere Vögel steht, sind sie alle Krähen.

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Cord Riechelmann