Wildbienen

„Die nehmen nicht jede Blume“

Experte und Diplom-Biologe Rolf Witt über die Gefährdung von Wildbienen.

Wildbiene

Rolf Witt

Rolf Witt ist Diplom-Biologe, Fachmann für Stechimmen (Bienen, Wespen, Ameisen) und Autor des Standardwerks „Wespen“, Vademecum-Verlag, 33,95 Euro. 

COUNTRY: Wie geht es der deutschen Biene?
WITT: Die deutsche Biene gibt es nicht. Es gibt Honigbienen, die in der Obhut eines Imkers leben, und es gibt sehr unterschiedliche Wildbienen. Besonders bedroht ist der Bestand an Wildbienen, aber auch Honigbienen leiden unter dem enorm verringerten Angebot an Blüten, die sie zum Bestäuben brauchen. Gerade auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen macht sich bemerkbar, dass andere Pflanzen angebaut werden als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Warum sind besonders Wildbienen gefährdet? Es gibt in Deutschland rund 560 Wildbienenarten mit sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen. Ihr größtes Problem: Flächen, wo die Natur wachsen kann, wie sie will, gehen verloren durch Straßenbau, Siedlungsausweitung, Land- und Forstwirtschaft. Wenn Sie z.B. durch Mecklenburg-Vorpommern fahren, sieht man riesige Flächen mit Mais und Raps für Biogas, aber keine kleinfl ächigen Strukturen im Ackerrandbereich oder an Waldsäumen, wo Wildbienen leben können.

Welche anderen Gründe gibt es? Bienen brauchen Nistplätze, die häufig im Sand sind, aber auch Sandfl ächen verschwinden. Und gerade jetzt gibt es das sogenannte „Hochsommerloch“ im Blütenangebot, weil viele Wildblumenarten, die im Hochsommer blühen, seltener geworden sind. Im Gegensatz zu Honigbienen sind Wildbienen sehr viel wählerischer. Die nehmen nicht jede Blume.

Was kann jeder Einzelne tun um Wildbienen zu helfen? Entsprechende Pflanzen in den Garten holen wie Wildrosen, Natternkopf, Glockenblumen. Außerdem Nistmöglichkeiten anbieten wie Insektenhotels und vegetationsarmen Flächen wie Sand.

Viele Menschen haben Angst vor Bienen. Ist das berechtigt? Unter den Wildbienen können nur Hummeln stechen, sonst nur Honigbienen. Man sollte nicht drauftreten oder sie ärgern – ansonsten sind sie ganz harmlos.

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