Wissenswertes über Heu

Das Heu-Journal

Der Duft. Die Liebe. Das Land. Alleine der Name Heu weckt das Gefühl von Sommerferien, von barfuß laufen und Picknick. Im Spätsommer liegt das Mähgut wieder zum Trocknen auf den Wiesen. Zeit für eine kleine Heukunde, zugeschnitten in 17 Kapitel. 

Heuberge

1. Was ist überhaupt Heu? Einfache Definition: getrocknetes Gras. Erweiterte Definition: Gras oder andere Futterpflanzen wie Klee oder Luzerne. Im Gegensatz zum Stroh, das hauptsächlich aus ausgedroschenen Stängeln besteht, enthält Heu vor allem die Blattanteile der frischen Pfl anzen und ist nahrhafter. Wer heute über Land fährt, sieht statt der traditionellen Heumandln fast überall die mit Kunststoff folien überzogenen Silageballen herumliegen. Dabei wird das Mähgut luftdicht verpackt, damit es auf dem Feld vor sich hin gären kann. Das ist zwar kein Heu, schmeckt den Tieren aber auch. Verwendet wird Futterheu trotzdem noch, vor allem für Pferde, Schafe und Kleintiere. Und für Spezialzwecke wie die Herstellung von Rohmilchkäse, denn die funktioniert mit Silagefutter nicht so gut. Wenn Kühe nur mit Heu gefüttert werden, entsteht Heumilch.

2. Das Wort Heu kommt von hauen. Althochdeutsch houwan, mittelhochdeutsch houwen, und das konnte alles Mögliche bedeuten wie schlagen, stechen, schneiden, mähen, ernten. Das houwe oder höuwe war also „das Gehauene“ oder „das zu Hauende“. Und der Hauer, die Hacke, der Haudegen und der Hieb stammen natürlich alle aus demselben Stall.

3. Die Ernte: Je nach Klima- und Bodenverhältnissen kann man eine Wiese in Mitteleuropa ein bis sechs Mal im Jahr mähen. Der erste Schnitt kann unter idealen Bedingungen bereits im April erfolgen. Auf hoch gelegenen Bergwiesen reicht es nur für eine einzige Ernte, die jetzt im August ist. Der erste Schnitt heißt Heumahd, der zweite Grummet (von Grünmahd) oder Öhmd. Frisches Gras enthält 70 bis 90 Prozent Wasser; dieser Anteil muss auf rund 15 Prozent gesenkt werden, damit es zu Heu wird. Während dieser Zeit muss es mehrmals gewendet werden, was früher durch vom Pferd gezogene Heuwender passierte. Deren grundlegende Technik – grobzinkige Gabeln, die das Heu umwerfen – hat sich bis heute kaum verändert, außer dass die modernen Kreiselwender natürlich breiter und schneller sind. Wird das Heu ungenügend getrocknet, besteht nicht nur die Gefahr, dass es fault. Es kann sich dann auch selbst entzünden, weil die Fäulnisprozesse Wärme erzeugen – einer der Hauptgründe, warum Bauernhöfe abbrennen. 

4. Heumandl und Konsorten: Welche Bedeutung etwas in der Alltagskultur besitzt, zeigt sich auch daran, wie viele Wörter es dafür gibt. Damit das geschnittene Gras auf der Wiese schneller trocknete, hängte man es traditionell auf Gestelle, von einfachen Pfählen mit Querstangen bis zu komplexen Gebilden. Sie heißen je nach Bauweise und Region Heureiter, Heumandl, Dieme, Heinze, Hilge, schober, Feime, Triste, Hocke, Schwedenreiter, Harpfe, Köse, Hiefler. In Südtirol widmet sich die „Stiftung Harpfe“ ihrer Erhaltung.

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