2011 - Das Jahr der Wälder

17 Fakten über den Wald

2011 ist das Internationale Jahr der Wälder. Wie an keinem anderen Ort verknüpfen sich hier Mythos und Wirklichkeit – vor allem für die Deutschen. Ein Spaziergang in 17 Etappen. 

Buche

1. Schland, Waldland: Fast ein Drittel deutschen Bodens ist mit Wald bedeckt – im Bundesdurchschnitt. Die Spanne reicht von 10 (Schleswig- Holstein) bis über 40 Prozent (Hessen und Rheinland- Pfalz). Verglichen etwa mit den tropischen Regenwäldern, ist unser Wald relativ artenarm, und daran ist die Eiszeit schuld. Die machte mit dem Wald in Mitteleuropa Tabula rasa. Vorher hatte es hier Kastanien und Mammutbäume gegeben, Lebens- und Tulpenbaum, zahlreiche Eichen- und Buchenarten; für die wurde es nun zu kalt und vor allem zu trocken. In geschützten Tälchen hielten sich allenfalls Zwergbirken, Polarweiden und Bergkiefern, ansonsten: Steppe. Nach dem Neustart vor 12 000 Jahren schlug erst die Stunde der Pioniere wie Birke, auf sandigen Flächen Kiefer. Später folgten Haselnuss und Fichte, dann setzten sich langsam Buche und Eiche durch. Der Wald ist zugleich Ökosystem, Wirtschaftsfaktor, Lebensraum für Tiere und Freizeitgelände. Um die Bedeutung des Waldes zu unterstreichen, wurde 2011 von der UNO zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt.

2. Rekordhalter: Um den höchsten Baum Deutschlands gab es jahrelang Streit. Klar war nur, dass es eine Douglasie (Pseudotsuga menziesii) ist. Aber welche – die in Eberbach im Rhein-Neckar-Kreis oder die im Freiburger Stadtwald? Forscher der Uni Karlsruhe vermaßen beide Kandidaten und befanden: Der Freiburger Baum ist höher – 63,33 Meter gegen 61,60 Meter.

3. Mythos: Seit Tacitus sprichwörtlich: der finstere deutsche Wald. Plastisch schilderte der römische Geschichtsschreiber die riesigen Urwälder im Norden Germaniens, die beseelt seien von mancherlei Geistern und Dämonen. Er berichtete auch von dem Glauben seiner Bewohner, direkt aus dem geheimnisvollen Dunkel der undurchdringlichen Wälder abzustammen. Letzteres verfestigte sich im 18. und 19. Jahrhundert zum Gründungsmythos des deutschen Volkes. Unterfüttert wurde die Vorstellung des „typisch deutschen“ Waldes etwa durch den Kulturwissenschaftler Wilhelm Heinrich Riehl, der die europäischen Nationalcharaktere zu systematisieren versuchte: So wie bei Engländern und Franzosen Parklandschaften und offenes Feld dominierten, sei der Deutsche eben durch die Waldwildnis geprägt.

4. Der Waldmeister: Die Guttenberg-Brüder suchten schon früh ihre Rollen: Karl-Theodor tat es dem Großvater nach und strebte in die Politik. Philipp, der Jüngere, ließ sich vom umweltbewegten Dirigenten-Vater Enoch inspirieren und studierte Ökologie und Forstwirtschaft. Öffentlich bekannt wurde er jetzt als Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzerverbände (AGDW), der Dachorganisation von rund 4500 forstwirtschaftlichen Vereinigungen. Sein Credo: Wald muss bewirtschaftet werden – nachhaltig natürlich, möglichst auch ökologisch, dann nützt er am meisten, erhält die Artenvielfalt, schafft Arbeitsplätze, speichert CO2 und bremst den Klimawandel.

5. Echt nachhaltig: Die Nachhaltigkeit, neudeutsch Sustainability, ist ein Kind des deutschen Forstes. Die Notwendigkeit, nicht mehr Holz zu entnehmen als nachwächst, wurde mancherorts schon früh begriffen, etwa nach den großen mittelalterlichen Rodungswellen von 1000 bis 1250. Den Begriff selbst verwendete erstmals der kursächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, der 1713 in einer Denkschrift eine „beständige und nachhaltende Nutzung“ des Waldes forderte. Heute fragt man sich, wie die Menschheit jemals ohne dieses Wort ausgekommen ist.

6. Das Leberblümchen: Nicht extrem selten, aber auch nicht sehr häufig: Das hübsche Leberblümchen ist ein Anzeiger für alte, ökologisch einigermaßen intakte Wälder. Und deshalb besonders wertvoll.

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Autor:
Martin Rasper