Wissen und Natur

13 Fakten über Gras

Unsere Kulturlandschaft ist ohne Wiesen nicht denkbar, und im Frühsommer blühen sie besonders schön. 13 Schritte im hohen Gras.

Wiese

1. Was ist eine Wiese?

Wiesen sind Vielfalt, sind Natur, vor allem aber: Kulturlandschaft. Feld, Wald und Wiese – der Dreiklang ist sprichwörtlich. Ohne Wiese ist die mitteleuropäische Landschaft nicht komplett, ohne Wiesensalbei, Wiesenklee, Wiesenschaumkraut, Wiesenrispe, Wiesen-Witwenblume. Aber Wiesen sind Menschenwerk. Sie müssen gemäht oder beweidet werden, sonst verschwinden sie und werden zu Wald. Von Natur aus gäbe es Grasland bei uns nur in Mooren und Auen und oberhalb der Baumgrenze.
 

2. Bunte Vielfalt

Käfer in einer Wiese

Auf Blumenwiesen wimmelt es von Libellen, Laufkäfern, Wildbienen und Schmetterlingen.

Paradox: Je weniger Nährstoffe, desto vielfältiger die Wiese. Erst der Mangel, z. B. auch Wassermangel, gibt den unterschiedlichsten Spezialisten die Möglichkeit, ihre eigene Nische zu besetzen. Die klassische bunte Blumenwiese, etwa eine Bergwiese, ist deshalb ökologisch gesehen oft ein Magerrasen oder Trockenrasen. Hier blühen, je nach Standort, Bodengestein und Klima, die vielfäl­tigsten Wiesenblumen einschließlich vieler Orchide­en. Und es wimmelt von Libellen, Laufkäfern und Wildbienen, vor allem aber von Schmetterlingen wie Aurorafalter, Schachbrettfalter oder Schönheiten wie dem Esparsetten-Widderchen. Lebens­notwendig sind die Wiesen für die Wiesenbrüter, also Vögel, die ihre Nester im Gras bauen wie Wiesen­piper, Großer Brachvogel, Bekassine oder Wachtel­ könig. Sie können nur überleben, wenn die Wiesen extensiv bewirtschaftet werden, also erst nach der Brut zum ersten Mal gemäht wer­ den. Die gelben Frühlingswiesen voller Löwenzahn, für viele Menschen der Inbe­griff von Natur, sind dagegen das Ergebnis exzessiver Düngung, eine Art Plantage.
 

3. Almauftrieb auf Norddeutsch

Im Oberharz nennen sie es die „fünfte Jahreszeit“, wenn die Kühe auf die Hochweiden getrieben werden. Denn hier gibt es Bergwiesen wie sonst nur am Alpenrand, mit Arnika, Schlüsselblumen, Storchschnabel und Orchideen. Sind die Kühe auf der Alm, darf das Volk feiern, etwa beim Wiesenblütenfest am 9. Juni 2013 in Sankt Andreasberg. Der Dichter Hoffmann von Fallersleben sah den „Kuhaustrieb“ einst als Sinnbild für den Freiheitsdrang des geknechteten Bürgers: „Hinaus, hinaus! wo reine Lüfte fächeln / euch Freiheit in die Brust, / wo euch die grünen Au’n und Wiesen lächeln / zu Freud’ und Frühlingslust.“
 

4. Schön bucklig

An sanften Talhängen am Alpenrand fanden sich früher fast überall die typischen Buckelwiesen, die durch Erosions­prozesse entstanden waren: Wo durch un­regelmäßige Vegetation, Frostsprengung und Kalklösung ein Bodenrelief entsteht, verstärkt sich dieses immer mehr, sodass die Buckel im Lauf der Zeit bis zu einem Meter hoch werden. Weil sie die Landwirt­schaft erschwerten, ebnete man sie lange Zeit ein – bis man ihren Wert für Ökologie und Landschaftsästhetik erkannte und sie zu schützen begann. Trotzdem gibt es größere Buckelwiesen nur noch bei Mittenwald, das somit unverhofft zu einer lo­kalen Besonderheit kam.
 

5. Merkwürdig!

Schmeil und Fitschen sind Namen, die jeder Botanikstudent kennt, verfassten die beiden doch eines der bis heute meistgenutzten Bestimmungsbücher für Profis. Aber die Altmeister hatten seinerzeit auch ein populäres Lehrbuch auf Lager: „Die Pflanzen der Heimat“. Und aus diesem stammen die Zeichnungen für das schöne Gedächtnisspiel „Wiesenpflanzen“, das bei Manufactum erschienen ist (18,50 Eu­ro). 20 Kartenpaare, 20 Pflanzen, mit deutschem und lateinischem Namen – so lässt sich Naturwissen spielerisch vermitteln. www.manufactum.de

 
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Autor:
Martin Rasper