Obst im Garten

Wie wächst Spalierobst?

Bäume 2-D: Ob Fassadenschmuck, Sichtschutz oder Vitaminbombe - Spalierobst hat viele Talente. Experte Stephan Arnold sagt, wie man sie in Bestform bringt.

Spalierbirnen

COUNTRY: Für welchen Garten eignet sich Spalierobst? 

STEPHAN ARNOLD: Spalierobst ist eigentlich ein normaler Obstbaum, nur dass er durch Schnitt und Fixierung zu einem fast zweidimensionalen Wuchs getrimmt wird, zum Beispiel an einer Hauswand. Und weil ein Baum am Spalier weniger Raum einnimmt als frei stehend, ist er ideal für kleine Gärten. Aber auch wer nur eine Terrasse oder einen Balkon hat, kann Früchte ernten. Für solche Fälle gibt es Mini-Obstbäume als Kübelpflanzen, sogenanntes Säulenobst.

Wo ist der beste Platz dafür? Ein frei stehendes Spalier kann als Raumteiler im Garten dienen, etwa anstelle einer Hecke. Die übliche Variante ist jedoch ein Spalier an der Wand zur Begrünung. Zudem bietet so eine Mauer ein mildes Klima. Vor allem auf der Südseite. Obst mag und braucht viel Sonne.

Welche Spalierobstsorten gibt es? Die Klassiker sind Birne, Apfel und Kirsche. Es gibt aber auch Pfirsiche, Aprikosen und Pflaumen. Beerensträucher eignen sich ebenfalls. Immer beliebter wird es, Weintrauben im Garten zu haben, neuerdings sogar Kiwi. Doch bei diesen beiden Früchten handelt es sich nicht um Spalierobst, sondern um Kletterpflanzen.

Wo liegt der Unterschied? Spalierobst entwickelt sich zu selbsttragenden Gewächsen, wenn die Wuchsrichtung sich nicht mehr ändert und der Stamm dick genug ist, um das Gewicht von Ästen, Laub und Früchten zu halten. Wein und Kiwi benötigen dagegen immer Unterstützung, ob Gitter oder Pergola.

Wie lang braucht Spalierobst, bis es allein stehen kann? Man pflanzt das veredelte Spalierobst im Alter von ungefähr drei Jahren. Da hat es bereits einen daumendicken Stamm und ist vielleicht anderthalb Meter hoch. Dann muss man die Pflanze ungefähr fünf Jahre lang binden und schneiden, bis sich stabile, waagrechte Seitenäste gebildet haben. Manche Baumschulen bieten aber auch schon richtig große und alte Spalierobstbäume an, die ihre endgültige Form längst erreicht haben. Das sieht dann sofort sehr imposant aus, und ein Gerüst erübrigt sich ganz und gar.

Wann kann man das erste Mal ernten? Pflanzt man einen zwei- bis dreijährigen Spalierobstbaum, ist frühestens nach weiteren zwei bis drei Jahren eine nennenswerte Ernte zu erwarten. Vorher deutet höchstens eine einzelne Frucht an, worauf man sich später freuen darf.

Welches Spalierobst bietet optisch am meisten? Das ist Geschmackssache, aber Spalierbirnen sind sehr reizvoll: Sie haben eine schöne Blüte, das Laub bekommt eine tolle rote Herbstfärbung, und im Winter haben die kahlen knorrigen Äste einen ganz besonderen Charme.

Schadet ein Baum an der Hauswand nicht der Fassade? Einem intakten Gebäude kann Spalierobst nichts anhaben. Es klebt ja nicht direkt an der Wand. Und der Wurzelballen kommt auch mit 30 bis 50 Zentimeter Abstand in die Erde. Die Wurzeln breiten sich zwar aus, suchen aber den Weg des geringsten Widerstands – und der ist nicht durch die Hauswand. Wenn das Fundament allerdings marode ist, kann es passieren, dass sich Wurzeln ins Mauerwerk schieben.

Stephan Arnold

Stephan Arnold ist Geschäftsführer im familieneigenen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau

Ist Spalierobst arbeitsintensiv? Nur wenn man es selbst veredelt und auf einen hohen Ertrag aus ist. Ansonsten muss man es bloß jedes Jahr in der laublosen Zeit schneiden, im Frühjahr organischen Dünger ins Erdreich einarbeiten und während der Wachstumsphase regelmäßig und intensiv gießen – vor allem, wenn das Obst an einer überdachten Hauswand steht. Und noch ein Tipp für den Winter: Ein weißer Anstrich des Stamms verhindert Frostrisse, durch die Schädlinge und Krankheitserreger eindringen können.

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Autor:
Petra Apfel