Pflanzen im Herbst

Wann schneide ich was?

Nur die Spitzen stutzen oder so richtig kurz? Experte Michael Hartmann erklärt, bei welchen Pflanzen im Herbst noch mal die Gartenschere nötig ist und welche lieber unberührt zu schönen Raureif-Skulpturen werden.

Pflanzen schneiden

 

Pflanzen im Herbst zurückschneiden – macht man das nur, damit es im Garten ordentlich aussieht oder haben die Gewächse was davon? Beides. Richtig zurückgeschnitten wachsen Pflanzen im Frühjahr besser. Ein Schnitt regt die Blütenbildung an. Außerdem befreit man die Pflanzen von totem Material und allzu störrischen Trieben. Alles bis auf ein Minimum zu kürzen und wegzuräumen gilt aber als überholt. Beispielsweise empfiehlt es sich, Laub als Kälteschutz liegen zu lassen.

Die einen plädieren für einen Schnitt im Herbst, die anderen raten zum Frühjahr. Wer hat recht? Das lässt sich nicht generell sagen. Der richtige Schnittzeitpunkt hängt von der Pflanzenart ab. Frostempfindliche Pflanzen sollten grundsätzlich erst im Frühjahr gekappt werden.

Wann sind die Stauden dran? Stauden wie Rittersporn und Fingerhut, die matschig in sich zusammenfallen, müssen im Herbst weichen. Aber Sonnenhut und Pfennigkraut zum Beispiel kann man über den Winter ebenso stehen lassen wie Gräser. Sie können in der kalten Jahreszeit sogar sehr dekorativ wirken, wie Raureif-Skulpturen. Ihr Schnitt erfolgt dann erst im März oder April.

Wie sieht es mit Sträuchern aus? Sträucher kann man gut im Herbst schneiden. Aber oft empfiehlt es sich auch, das mitten im Jahr zu machen. Eine Forsythie etwa braucht alle drei bis fünf Jahre gleich nach der Blüte einen Verjüngungsschnitt auf 30 bis 40 Zentimeter Höhe. Danach baut sie sich neu auf und blüht üppiger. In den Jahren dazwischen unterbleibt der Schnitt. Eine Felsenbirne hingegen sollte gar nicht zurückgeschnitten werden. Im Herbst gehören höchstens tote Äste abgeknipst. Auch bei Kornelkirsche, Schneeball oder Zierapfel ist der Schnitt keine Frage der Jahreszeit, sondern ob der bestmögliche Wuchs und die größte Blütenfülle erreicht werden.

Was mache ich mit einer Hecke? Hecken sind gute Kandidaten für einen gründlichen Herbstschnitt. So gehen sie gepflegt in den Winter. Allerdings sollte der Schnitt im Spätherbst bereits die zweite Rasur des Jahres sein. Ein erster Schnitt erfolgt nach dem Frühjahrstrieb Ende Juni. Dabei muss man auf brütende Vögel Rücksicht nehmen. Und damit die Hecken nicht von unten her allmählich kahl werden, ist es ratsam, so zu schneiden, dass sie sich nach oben hin verjüngen.

Soll man junge Bäume erst einmal wachsen lassen? Ein Gewächs aus der Baumschule kommt rundum gepflegt in den Garten. Trotzdem sollte man schon im ersten Jahr korrigierende Schnittarbeiten vornehmen, beispielsweise sich überschneidende Triebe entfernen. Auf alle Fälle aber nur so viel schneiden, dass der Baum nicht gestutzt wirkt.

Kann ich im nächsten Jahr ernten, wenn ich einen Obstbaum zurückschneide? Obstbäume werden nur bei Bedarf geschnitten, etwa wenn sie so viele Früchte tragen, dass die Äste abzubrechen drohen. Ansonsten nur nichttragende Äste abschneiden, das Fruchtholz stehen lassen.

Kann der erfahrene Hobbygärtner große Bäume selbst zurückschneiden? Großen Bäumen rückt man meist dann zu Leibe, wenn sie dem Haus das Licht nehmen. Solche teils riskanten Arbeiten sollte man unbedingt einem Fachagrarwirt für Baumpflege oder einem European Tree Worker überlassen. Generell gilt: Ein Baum wird alle fünf bis acht Jahre geschnitten. Allerdings nicht, wenn er sein Laub abgeworfen hat, sondern während der Vegetationsperiode. Nur da kann er sich von den Verwundungen durch eine Säge erholen, ohne langfristig geschwächt oder anfällig für Pilzbefall zu sein.

Michael Hartmann ist Geschäftsführer des Baumpflege-Betriebs Bollmann in Ellerau, Schleswig-Holstein.

 

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Autor:
Petra Apfel