Gartenpraxis

Von Libellen und Schmetterlingen

So wird der Garten zum Landeplatz. Hanns-Jürgen Redeker sagt, warum Libellen auf Seerosen sitzen und Hummeln keine gefüllten Blütenkelche mögen.

Blütenpracht

COUNTRY: In manchen Gärten schwirrt gar nichts von Blüte zu Blüte. Was läuft da falsch?

HANNS-JÜRGEN REDEKER: Schmetterlinge und Hummeln kommen nur dorthin, wo sie etwas zu fressen finden Millimeter kurzer Rasen und Thujahecken haben da nicht viel zu bieten. Aber auch Pflanzen, die sehr verlockend aussehen, müssen nicht unbedingt nach ihrem Geschmack sein. Forsythien und Tulpen, der Europäische Pfeifenstrauch und die Japanische Zierkirsche gehören unter anderem zu den verschmähten Schönheiten. Zudem kommt es auf den Standort an: Unbeliebt sind sehr schattige Gärten und Orte, an denen viel Rummel herrscht.

Was lockt die Tiere an? Eine kunterbunte Blütenpracht, die vom Frühjahr bis in den späten Herbst andauert. Denn sie signalisiert reichlich Nektar.

Und das ist das ganze Geheimnis? Hummeln und Schmetterlinge sind nicht sehr anspruchsvoll. Die einzigen Blumen, die ihnen Schwierigkeiten bereiten, sind solche mit üppig gefüllten Blütenkelchen. Da kommen sie nicht so leicht an den Nektar ran. Naturschützer empfehlen übrigens ausschließlich heimische Pflanzen wie Magerwiesen-Blumen. Aber in meinem Garten wird auch eine Japanische Aralie emsig von Bienen umschwärmt.

Welche Pflanzen empfehlen Sie? Bei den Bäumen eignen sich vor allem Obstsorten, am besten Kirschbäume. Bei den Sträuchern ist die Palette sehr facettenreich. Sie reicht von Schneeball, Jasmin, Glyzinien, Rhododendron bis hin zu Beerensträuchern. Der Sommerflieder verdankt seinen zahlreichen Gästen sogar seinen Beinamen: Schmetterlingsstrauch. Unter den Gartenblumen sind im Frühling Krokusse sehr anziehend. Im Sommer besonders Rittersporn, Ringelblume und Phlox. Später dann Herbstastern und die Fette Henne.

Was ist mit Libellen? Kann man sie auch mit Pflanzen anlocken? Blumenbeete interessieren sie nicht. Wohl aber die Insekten, die sich darauf tummeln. Um sie zu kriegen, unternehmen Libellen auch mal Jagdflüge in teichfreie Gärten. Dort rasten sie dann gern auf von der Sonne beschienenen Steinen und speichern Wärme. Um Libellen zum Bleiben zu bewegen, braucht man einen Teich. Pflanzen wie Seerosen, Sumpfiris oder etwa die Sumpfdotterblume eignen sich sehr gut für die Eiablage und auch für die letzte Häutung der Larven, bevor sie als Libellen davonfliegen.

Apropos Larven: Muss man nach einem schmetterlingsreichen Gartenjahr womöglich mit einer Raupenplage rechnen? Wer Schmetterlinge will, muss Raupen in Kauf nehmen. Es kommt aber sehr selten vor, dass diese Vorläufer der Falter wirklich Schaden anrichten. Viele Schmetterlingslarven ernähren sich ausschließlich von Brennnesseln. Und noch etwas: Wer die flatternden Gäste im nächsten Jahr wieder sehen will, sollte ihnen eine Möglichkeit zum Überwintern geben und das Laub unter den Hecken und Stauden liegen lassen.

Hanns-Jürgen Redeker leitet einen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau in Hamburg. Er war bis vor Kurzem Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL).

 

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Autor:
Petra Apfel