Experten-Tipps zur Schneckenbekämpfung

Kein Bier für Schnecken!

Die Invasion der Kahlfresser steht bevor: Gartenbau-Experte Thomas Kramer über mehr oder weniger wirksame Gefahrenabwehr.

Schnecke

COUNTRY: Welche Stauden sind im Blumenbeet besonders durch Schnecken gefährdet?

Thomas Kramer: Generell sind viele Pflanzen im Jungstadium besonders betroffen, und hier sind sicher vornehmlich Dahlien, Rittersporn, Funkien, Taglilien, Tagetes, Sonnenhut, Salvien oder Christrosen zu nennen. Wenn die Pflanzen aus dem Jungstadium herausgewachsen sind, sind sie für die Schnecken nicht mehr so ganz interessant.

Welche Möglichkeiten gibt es, Schnecken wirksam, aber möglichst ohne Chemie zu bekämpfen? Den Boden sollte man erst nach Frostende lockern. Macht man das schon im Herbst, können die Schnecken besser in den Bodenritzen überwintern und die Eier ablegen. Ich empfehle, Schneckenköder aus Weizenkleie, Wasser und etwas Trockenfutter für Hunde anzumischen und im Frühjahr auszulegen. Schnecken sammeln sich bei diesen Ködern und man kann sie dort absammeln. Solche Köder kann man auch zwischen Gemüse oder Stauden legen. Wenn man in diesen Bereichen noch ein altes Brett auf den Boden legt und anfeuchtet, kann man auch tagsüber unter dem Brett die Schnecken absammeln.

Mit welchen Pflanzen lassen sie sich anlocken? Mit Gartenkresse und Gelbsenf lenkt man sie von Stauden und Gemüse ab.

Welche Tipps haben Sie noch? Das Ausstreuen von Asche, Sägemehl oder Steinmehl um Beete beziehungsweise Rabatten erschwert den Schnecken ebenfalls den Zugang zu den Pflanzen. Darüber hinaus ist es besser, den Garten am Morgen statt am Abend zu wässern. So kann er im Laufe des Tages abtrocknen, und die Schnecken kommen abends nicht aus ihren Schlupfwinkeln. Das Ausbringen von Kalkstickstoff soll ebenfalls dazu führen, dass Schnecken die Beetfläche meiden. Schneckenkorn in Form von Eisendreiphosphat – Ferramol von Neudorf – hilft ebenso. Dieses Mittel ist auch in der biologischen Landwirtschaft zugelassen. Tote Schnecken sollten immer entfernt werden, sie locken sonst neue Schnecken an.

Was halten Sie von sogenannten Schneckenzäunen? Auch das ist eine gute Methode. Dabei wird ein etwa 30 Zentimeter breites Metallstück in die Erde eingelassen. An dem Metall finden die Schnecken keinen Halt und können den Überhang nicht überwinden. Und wenn alles nichts mehr hilft, empfehle ich ein Schrotgewehr.

Wie effektiv sind Duftpflanzen zur Schneckenabwehr? Astilben, Ehrenpreis, Frauenmantel oder Thymian sind Pflanzen, die Schnecken nicht mögen und daher meiden. Das gilt auch für Kapuzinerkresse, mit der man ein Beet einfassen kann. Das kann durchaus dazu führen, dass gefährdete Pflanzen nicht gefressen werden.

Wie sieht es mit dem Einsatz von Tieren aus? Laufenten und Hühner finden Schnecken toll und haben sie ganz oben auf ihrer Speisekarte. Auch Igel, Vögel, Kröten, Maulwürfe Laufkäfer oder Frösche fressen gerne Schnecken. Daher sollte ihnen Möglichkeiten zum Unterschlupf beziehungsweise der passende Lebensraum im Garten geboten werden, zum Beispiel ein Gartenteich, Steinhaufen, Hecken.

Und wovon würden Sie eher abraten? Vorsicht bei sogenannten Bierfallen – Tasse mit Bier in den Boden setzen. Diese locken zwar die Schnecken an, aber auch die von weit außerhalb. Und auf dem Weg zur Bierfalle nehmen sie alle leckeren Sachen mit, die sie kriegen können, und kommen so erst gar nicht zum Ziel. 

Thomas Kramer ist Geschäftsführer von Kramer Garten- und Landschaftsbau in Olpe. www.kramergalabau.de 

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