Hobby-Gärtner

Männer im Beet

Er fährt den Mäher, sie widmet sich mit Hingabe den Blumen – dieses Klischee geht gerade über Bord. Landschaftsarchitekt Stefan Leppert über die Eroberung des Ziergartens durch den Mann.
Mann im Beet
COUNTRY: Im Frühjahr hat ein großes Gartenfestival den Mann zum Thema gemacht. Seit Ihrem Buch „Sein Garten“ gelten Sie als Experte für gärtnernde Männer. Wie ist er denn so, der männliche Garten? Stefan Leppert: Sehr unterschied­lich, genau wie seine Gestalter. Die Män­ner sind unter 30 und über 80, Karrierety­pen oder Rentner. Sie hegen einen Rosen­park oder beackern ihre Gemüseparzelle. Sie sammeln eine einzige Art oder pflan­zen, was ihnen in die Finger kommt. Ge­meinsam ist den Männern in meinem Buch, dass sie sich intensiv und freudig mit dem Thema Garten beschäftigen.
 
Männer, die nur den Grill als Gartengerät akzeptieren, scheinen weniger zu werden. Erobert der Mann nach der Küche jetzt auch den Garten? Im Profibereich war das Gärtnern ja schon immer eine Männerdomäne. Und im Zier­garten tummeln sich seit jeher leiden­schaftliche Hobbygärtner. Sie gelten heute nur nicht mehr als verschroben und spie­ßig. Dazu tragen sicher auch die Garten­bücher jüngerer Promis bei, etwa die von Jakob Augstein (intellektuell) und Wla­dimir Kaminer (unterhaltsam). Die haben zwar nicht viel Ahnung vom Gärtnern, bringen aber die Botschaft rüber: Gärt­nern ist was für coole Männer.
 
Wird Gärtnern zur Jugendbewegung? Richtiges Gärtnern ist eine Angelegen­heit für reifere Männer. Unter 40, 50 haben sie ja selten ein eigenes Haus mit Gar­ten. Dann fangen sie an, die Gartenarbeit als entspannenden Ausgleich zum Berufs­stress und auch wegen der körperlichen Aktivität zu schätzen. Jüngere mögen die­ses einsame Buddeln noch nicht. Ihnen gefällt das Guerilla Gardening im öffent­lichen Raum: ein bisschen Anarchie, viel Spontaneität, Spaß in der Gemeinschaft.
 
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