Tipps vom Garten-Profi

Herrn Ottos perfekte Gartenwelt

Mit der Präzision des Wissenschaftlers und jahrzehntelanger Erfahrung hat sich der Lüneburger Professor Michael Otto ein Paradies geschaffen. Hier verrät er seine erprobten Gärtnermethoden und gibt wertvolle Tipps.

„Für seinen Lehm lässt er alles stehen und liegen.“ Ein wenig Unmut schärft Elisabeth Ottos Stimme, auch wenn sie sonst die Gartenleidenschaft ihres Mannes teilt. 

Gerade ist er wieder mit der Schubkarre unterwegs zu einer Baustelle in Lüneburgs Straßen. Die Arbeiter sind froh, wenn der Lehm verschwindet, und für Michael Otto sind die zähen Klumpen das „Betriebskapital“, mit dem er seinen Garten fruchtbar macht, denn Lehm hält das Wasser im sandigen Boden der Lüneburger Geest.Vor 45 Jahren hat der gebürtige Pommer eine 1200 Quadratmeter große Parzelle im neu erschlossenen Stadtteil Kreideberg erworben, Bauland für seinen Bungalow.

Eigentlich passt Michael Otto nicht in diese Zeit. Statt Buchs und Bambus zieht er Obst und Gemüse. Statt Stauden mit Wildcharakter pflegt er Rittersporn und Bartiris. Gartenabfälle entsorgt er nicht in blauen Säcken, sondern unterhält eine gut organisierte Kompostanlage. Zwar gleicht sein Grundstück von außen betrachtet vielen anderen mit Liebe gepflegten Gärten.Aber wer sich auskennt, sieht, dass hier etwas anders ist als sonst. Die Haselnuss am Zaun, die in der Natur nur als Strauch gedeiht, wächst mit dickem Stamm als Baum. Der Ontarioapfel trägt auch in Jahren mit gerader Zahl Früchte, wenn alle anderen seiner Artgenossen aussetzen – er alterniert, heißt das im Gärtnerchinesisch. Und in einer Ecke am Zaun strahlen auf sechs Stielen die Blüten der Einfachblühenden Mosaik-Dahlien, die nicht einmal Spezialisten benennen könnten.

Michael Otto, heute 75 Jahre alt, ist pensionierter Professor der Elektrotechnik: ein Wissenschaftler, der seine Freude am Optimieren und Systematisieren auf den Garten anwendet. Der Wasserverteiler aus Eineinhalb-Zoll-Rohren ist selbst ertüftelt, um den Wasserdruck für seine Schwenkregner optimal zu nutzen. Als Pfefferminze hat er sich jene Sorte ausgesucht, auf die die Kaugummihersteller die Hersteller verpflichten, weil sie die meisten ätherischen Öle enthält.

Und der Rasen ist nicht einfach Rasen, sondern das wahrscheinlich letzte Zeugnis einer botanischen Sensation aus den 60er-Jahren. Er heißt ,Emerald Velvet‘. Michael Otto hat ihn 1963 auf der Internationalen Gartenbauausstellung in Hamburg entdeckt. ,Emerald Velvet‘ hat Halme, „die waagerecht wachsen“ und nur zweimal pro Saison gemäht werden müssen, nämlich dann, wenn sie blühen. Spart er mit dem Wunderrasen Zeit? „Nein, der Gewinn geht eher gegen null.“ Statt zu mähen, verbringt Michal Otto Stunden damit, Unkraut zu jäten, das sich im Lauf der Jahre in den Rasen gedrängelt hat.Trotzdem ist er an manchen Stellen, wie er sein soll: „dicht wie ein Teppich“.

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Autor:
Elke von Radziewsky