Hausbesuch in England

Herrenhaus im Garten Eden

Alte Gemäuer und alte Rosen: Seit 130 Jahren ist das Herrenhaus Great Chalfield Manor die große Liebe einer englischen Familie.

Ein lauer Sommertag. Es duftet nach Gras, die Bienen summen. Plötzlich, wie aus dem Nichts, galoppierende Pferde. Heinrich VIII., begleitet von Edelleuten und Bannerträgern, reitet auf ein prächtiges Landhaus zu. Der König ist in bester Laune. In der Hoffnung auf einen männlichen Thronfolger ist er unterwegs, um die Schwestern Anne und Mary Boleyn kennenzulernen. Diese Szene aus dem Film „Die Schwester der Königin“ wurde 2006 in Great Chalfield Manor gedreht.

Wäre Henry Tudor zu Lebzeiten wirklich in dem vor 500 Jahren gebauten Herrenhaus in der südenglischen Grafschaft Wiltshire eingetroffen, dann hätte er gesehen, was Besucher auch heute noch verzaubert: eine würdevolle, sandfarbene Fassade mit einer harmonischen Komposition von Giebeln, Schornsteinen und Erkerfenstern im spätgotischen Stil; am Rande des Besitzes eine kleine Kirche, die sich im Burggraben spiegelt. Das perfekte Beispiel eines ländlichen Familiensitzes aus der Tudor- Zeit. Ein schweres Eichentor öffnet sich, und man tritt ein in die Vergangenheit.

„Wie wir wissen, favorisierte Heinrich VIII. Anne Boleyn – bis sie ihm lästig wurde“, sagt Robert Floyd, derzeitiger Hausherr von Great Chalfield Manor. Zusammen mit seiner Frau Patsy ist er zur Begrüßung auf den Hof gekommen. Mrs Floyd, auf dem Weg zum Gemüsegarten, trägt Strohhut und Küchenschürze mit dem spezifischen Stil einer Lady vom Land. Auch ihr Mann wirkt wie ein typischer Vertreter der guten englischen Gesellschaft. Von den auf Hochglanz polierten Schuhen bis zum salopp gescheitelten Haar ist er ganz der Gentleman mit gesundem Selbstbewusstsein, der sich dennoch nicht allzu ernst nimmt.

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Quelle:
Autor:
Josephine Grever