Gartenbesuch: Jutta von Tschirnhaus

Ein Garten für alle Jahreszeiten

Ohne Rücksicht auf architektonisches Dogma, aber mit viel Eigensinn hat Jutta von Tschirnhaus bei Hamburg ihren Landschaftsgarten angelegt, der jede Saison ein ganz neues Gesicht offenbart.   

Eine Bank ohne Rückenlehne ist nicht nur ein dekorativer Ort zum Verweilen, sondern auch Ausdruck einer Gartenphilosophie. So jedenfalls sieht es Jutta von Tschirnhaus. „Ohne Lehne gibt es weder vorn noch hinten. Man hat die Freiheit, in alle Richtungen zu schauen“, sagt die Norddeutsche, die östlich von Hamburg einen besonders abwechslungsreichen Garten in die holsteinische Landschaft gepflanzt hat.

Perspektivenwechsel, der Lauf der Sonne und die verschiedenen Gesichter der Jahreszeiten – dies in Szene zu setzen, lag Jutta von Tschirnhaus am Herzen. Dabei schreckte sie auch nicht vor unkonventionellen Maßnahmen zurück. Einen Apfelbaum und eine Trauerweide hat sie zum Entsetzen von Gartenprofis durch radikales Kappen der Haupttriebe in bizarre Formen gezwungen. „Wenn im Winter alles kahl ist, freut sich das Auge über solche Hingucker“, erklärt die selbstbewusste Gestalterin, die – aufgewachsen auf einem niedersächsischen Gut – schon als Mädchen ihr Herz fürs Gärtnern und die Natur entdeckte.

Die Autodidaktin setzt sich gern über landschaftsarchitektonische Dogmen hinweg. Entlang der Rasenfläche hat sie über 30 Meter eine Einfriedung aus Kirschlorbeer gezogen und mit einer Hecke aus Fasanenspiräe, Forsythien, Magnolien und anderen Blütensträuchern hinterpflanzt. „Normalerweise macht man es umgekehrt, aber das widersprach meinem Bedürfnis nach Geborgenheit“, sagt Jutta von Tschirnhaus. Ihr „eisernes Band“ aus Kirschlorbeer gibt dem Garten zu jeder Jahreszeit Halt. Es dient zudem als Sichtachse, die den Blick zum Sonnenuntergang lenkt.

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Autor:
Monika Schiffer