Blumen

Die Vielfalt der Akelei

Sie ist uni, zweifarbig, manchmal gestreift, bauschig oder sternförmig, trägt Pompons, Fransen oder Rüschenröckchen: Die Vielfalt der Akelei kennt keine Grenzen, ebenso wenig wie die Züchterin Carrie Thomas.

Akelei

Ihr Paradies liegt am Rande des walisischen Ortes Swansea, eine Autostunde von Cardiff entfernt. Der Vorgarten im Osten misst gerade mal 4,5 mal 15 Meter, und der Garten hinterm Haus ist kaum größer. Umso überbordender die Fülle der Stauden, Gräser, Gehölze und Sommerblumen, die hier wie zufällig zu einem magischen Ganzen verschmelzen. Regiert wird das verwunschene Reich – zumindest in den Monaten Mai und Juni – von Carrie Thomas’ Lieblingsblume: der Akelei.

Schlotterhose, Großmutters Schlafhaube, Venuswagen: Wie sieht eine Blume aus, die so verschiedene Spitznamen hat? Zu ihrer Bezeichnung Aquilegia, die auf das lateinische Wort „aquila“ zurückgeht, zu Deutsch Adler, kam die Akelei, weil ihre Sporne an den Schnabel des Raubvogels erinnern. Alles Vergleiche, die erahnen lassen, wie variantenreich das Aussehen dieser Pflanze ist. Mehr als 300 kunterbunte Sorten kann man bei der leidenschaftlichen Akelei-Sammlerin Carrie Thomas bewundern. Bis zu 1400 selbst gezogene Exemplare wiegen sich in der Sonne.

Zickig oder sanftmütig

„Ich liebe die aufrechte, schlanke Form und die exotischen Blüten!“, schwärmt die Gärtnerin, die mit ihrem langen wallenden Haar und ebensolchem Gewand einer Zauberin aus dem Märchen gleicht. Da passt es, dass ein weiterer Beiname der Akelei „Elfenhandschuh“ lautet.

Überall leuchten die Blüten aus dem Grün hervor. Einige sehen aus wie winzige gerüschte Röckchen, andere als trügen sie Fransen oder lustige Pompons. Die einen wirken fast zickig, wie sie ihre langen Sporne weit nach hinten recken. Die anderen ganz sanftmütig mit ihren gotisch gebogenen Blütenköpfen, die sich nach unten neigen. Atemberaubend ist auch ihr Farbspektrum: von dunklem Purpur bis Himmelblau, von Sonnengelb bis blassem Rosa. Die Akelei betört sowohl mit satten Tönen als auch mit zarten Pastellnuancen. Es gibt ein- und zweifarbige Blüten. Und manche Sorten wie A. fragrans duften sogar!

Für Puristen birgt die anmutige Akelei allerdings explosives Potenzial. Denn sie „schlampert“ sich extrem unartig und zeugungsfreudig durch den kompletten Garten. Mit dieser Blume ein einheitliches Farbkonzept einzuhalten, ist kaum möglich. In solchen Fällen rät Carrie Thomas, die ungeplanten Farbtupfer gleich nach der Blüte zurückzuschneiden, damit sie sich nicht weiter selbst aussäen. Im Herbst werden sie dann umgepflanzt. Ein Akelei-verliebter Freigeist wie Carrie Thomas würde das natürlich nie tun. Im Gegenteil: Sie ist entzückt über die Zufallsbepflanzung, über das „Gottesgeschenk“, wie sie sagt, das die Natur ihr beschert. Tatsächlich galt die Akelei lange als göttliches Symbol, da man glaubte, in der Form der gespornten Blütenblätter eine Taube zu erkennen. In England nennt man sie deshalb „Columbine“.

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Autor:
Christa Hasselhorst