Wissenswertes über Blumen

Die Tulpe

Ein Sultan machte sie zu seiner Favoritin, dann stand sie Rembrandt Modell und stürzte ganz Holland in einen Rausch. Dass die Tulpe auch heute noch Herzen höher schlagen lässt, zeigt ein Gang durch den Hortus Bulborum im niederländischen Limmen.  

Murillo-Tulpe

Ein Beet mit einer einzigen Tulpe! So kostbar und rar war die Pflanze vor 400 Jahren, dass sie wie eine Preziose präsentiert wurde. Heute ist die Tulpe Massenware, was ihrer Beliebtheit nicht geschadet hat. Wer sich zur Blütezeit an wogenden Feldern freuen will, muss zur „Bollen“-Tour (so heißen Tulpenzwiebeln in Holland) in die Niederlande – obwohl im Berliner Britzer Garten oder auf der Insel Mainau auch herrliche Tulpenmeere zu bewundern sind. Aber wenn schon Holland, dann gibt es eine beschauliche Alternative zu den Massen von Menschen und Tulpen in Keukenhof: der Hortus Bulborum in Limmen, zwischen Amsterdam und Alkmaar. Klein, nur 1,5 Hektar groß, aber fein bestückt, ist der Garten nur sechs Wochen im Jahr geöffnet. 1928 gegründet, gilt er als Schatzkiste vor allem für historische Tulpensorten.

Stolz stehen sie auf ihren schmalen Stängeln, betören mit ungewöhnlichen Farben, Formen und sogar mit Düften wie die stark gefranste ‘Black Parrot’ in geheimnisvollem Purpur oder die gefüllte ‘Peach Blossom’ von 1890 in muschelzartem Rosa. Zu den größten Schätzen gehört die Kollektion mit 14 Arten der ‘Duc van Tol’-Tulpe, deren extravaganteste die frühblühende ‘Red and Yellow’ ist. Die gezackten roten Blütenblätter sind gelbgolden gesäumt. Sie stammt aus dem Jahr 1595 und ist damit die älteste der Berühmtheiten, zu denen auch die lachsrosa geflammte ‘Zomerschoon’ von 1620 zählt. Diese wiederum gehört zu einer Kollektion alter Rembrandt-Tulpen, jenen zweifarbig gestreiften oder geflammten Exemplaren, die der Maler auf seinen Stillleben unsterblich machte.

Die türkische Blume erobert Wien

Holland und Tulpen – das scheint seit jeher eins. Doch ursprünglich stammt die Zwiebelblume aus Persien, wo man ihre Anmut bereits im 14. Jahrhundert rühmte. In der Türkei wurde die flammende Schönheit zur Wappenblume der osmanischen Sultane. Mitte des 16. Jahrhunderts kam sie von dort durch den österreichischen Diplomaten Ghiselin de Busbecq nach Wien, 1557 wurde bereits eine rote Tulpe in einem Augsburger Garten beschrieben. 1593 brachte der Wiener Hofbotaniker Carolus Clusius die Exotin mit an seinen neuen Arbeitsplatz, den Botanischen Garten im holländischen Leiden. Die ersten blühenden Exemplare wurden zur Sensation. Es war der Beginn jenes wohl verrücktesten Intermezzos in der Geschichte der Blumen: der rauschhafte Tulpenwahn zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Die raren Zwiebeln, klein, braun und schrumpelig, wurden zum Spekulationsobjekt, erreichten schnell Rekordpreise. Vom Kaufmann bis zum Bauern – alle waren infiziert vom Tulpen-Fieber. Eine einzige Zwiebel der Sorte ‘Viceroy’ erreichte 1637 bei einer Auktion den astronomischen Preis von 4600 Gulden, der Gegenwert eines stattlichen Hauses. Das verpfändeten manche sogar, um die begehrten „Bollen“ zu besitzen.

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Christa Hasselhorst