Comeback im Gemüsegarten

Die Stangenbohne

Der Klassiker aus dem Gemüsegarten liefert schmückende Ranken, ist für allerlei Rezepte gut und nützt auch Haut und Haaren. Tipps für Anzucht und Gedeihen der Stangenbohne.

Stangenbohnen. Nee, die machen zu viel Arbeit.“ Ulla Grall kennt den Spruch. Stangen vorbereiten, aufstellen, Bohnen säen, anhäufeln, vielleicht noch anbinden. Und dann das Ernten, alle paar Tage wieder, statt alle Früchte auf einmal. Wer das tun will, muss Zeit haben. Oder trotzig sein wie Ulla Grall, die sich in solchen Zusammenhängen sagt: „Jetzt erst recht“ – und dabei herausfindet, was Stangenbohnen so alles loshaben.

Ulla Grall ist Saathändlerin in Armsheim, nicht weit von Worms. Ihr Spezialgebiet: rare Gemüsesorten. Fast 30 Stangenbohnen hat sie in ihrem Sortiment, darunter die famose ,Haricots Mais Tarbais‘, das Basisgemüse für das französische Cassoulet. Ulla Grall schätzt an Stangenbohnen, was Ertragsgärtnern lästig ist. „Weil man sie in Partien erntet, hat man frische Hülsen von August bis zum Frost.“ Außerdem verbinden die schmucken Ranker Nützliches mit Schönem: „Sie bringen Höhe in den sonst flachen Gemüsegarten“, sagt die Saathändlerin. Sogar wer wenig Interesse an Nutzpflanzen, sondern nur ein nicht verplantes Stück Erde hat, profitiert von ihnen. Er kann sich mit einer Reihe Stangenbohnen, einem Sortiment Dahlien und gesäten Sonnenblumen den üppigsten Sommergarten zaubern. Alle drei Gewächse werden im Mai gepflanzt und nach dem ersten Frost gerodet.

In England und Frankreich unterscheidet man Bohnen, die vorwiegend als Trockenbohne verwendet werden (tough podded, Haricots à écosser), und solche mit essbaren Schoten (eddible podded, Haricots mangetout). Grün erntet man sie, bis sie strohig werden, „schroh“ nennt Ulla Grall das. Körnerbohnen dagegen werden mit rascheltrockenen Hülsen gepflückt und, wenn nötig, nachgetrocknet. „Leider kommen heute viel zu wenig Bohnen auf den Tisch“, sagt Ulla Grall. Dabei enthalten sie 21 bis 24 Prozent Eiweiß, so viel wie Hühnerfleisch, sind ausgesprochen eisenhaltig – 10 Milligramm auf 100 Gramm, mehr als Spinat –, nehmen weniger Schadstoffe als andere Gemüse auf und liefern reichlich Niacin: ein Vitamin, das Haut und Haare schön macht.

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