Country-Wettbewerb 2007

Die schönsten Gärten

Die Anforderungen unseres Gartenwettbewerbes 2007 waren hoch: Die Anlagen sollten Haus und Landschaft perfekt verbinden, schön bepflanzt sein – und top gepflegt. Dem Aufruf von COUNTRY und Galabau, dem Bundesverband Garten-, Landschaftsund Sportplatzbau e. V., folgten über 100 Gartenbesitzer, unsere Jury hatte die Qual der Wahl. Wir gratulieren allen Teilnehmern.

1. Platz

Familiengarten Hasenwandel

Hang zur Schönheit

Handelt es sich um einen besonders schweren Fall von schwäbischer Bescheidenheit, wenn Elke Hasenwandel erzählt, wie es mit ihrem preisgekrönten Garten begonnen hat? „Na ja, wir hen’ für unser’n Bub’n ein Platz zum Fußballspiele braucht“, lautet ihre simple Erklärung. Der Bub, Johannes mit Namen, ist heute 14 Jahre alt und kickt immer noch auf dem gepflegten Grün – bloß dürften es wenige Jungs dabei so schön haben wie er in dem familienfreundlichen Terrassengarten, den seine Eltern in Adelberg bei Schwäbisch Gmünd der Natur abgerungen haben.

Als die Hasenwandels vor gut zehn Jahren ihren Garten planen, ist die Ausgangslage „schön – und schwierig zugleich“. Schön, weil sie die restaurierte Scheuer eines ehemaligen Prämonstratenserklosters bewohnen. Die Wand zum Garten besteht aus der 500 Jahre alten Klostermauer – eine Kulisse, die auch ein Rustico in der Toskana nicht malerischer bieten kann. Schwierig ist das Grundstück,weil es gewaltig Schlagseite hat: Mehr als fünf Meter fällt es steil vom Haus hinab zu den eigenen Obstwiesen. Ohne ihr Know-how hätte die Familie von diesem Terrain wohl die Finger gelassen. Aber im Haupterwerb betreiben Elke Hasenwandel und ihr Mann Rolf einen Gartenbaubetrieb in klassischer Aufgabenverteilung – sie als umtriebige Kreative, er als ruhiger Praktiker.Trotzdem „war’s noch a hart’s G’schäft“,Tausende Kubikmeter Erde zu bewegen, die Terrassen zu planieren, alte Sandsteinquader aus ganz Schwaben zu sammeln und damit Trockenmauern oder Treppen zu setzen, erinnert sich der 46-Jährige, während er von oben herab zufrieden auf ihr Werk schaut.

Auf drei Ebenen kann jedes Familienmitglied seinen Bedürfnissen nachgehen – ob spielen, entspannen oder ernten. Gleich nachdem man über eine Treppe aus dem Haus tritt, öffnet sich die oberste Terrasse zu einem eleganten Sitzplatz. Von drei Zierkirschen beschattet, mit Möbeln aus Plantagenteak bestückt, trifft sich die Familie hier bei selbst gebackenem Rhabarberkuchen oder zum Grillen mit Freunden. Über eine weitere Treppe erreicht man den Rasen. Obwohl ihn Johannes manchmal als Bolzplatz zweckentfremdet und die Mutter sich noch eine versteckte Leseecke abgezwackt hat, verleiht seine parkähnliche Weite der Anlage Großzügigkeit. Noch eine Etage tiefer findet man im östlichen Teil des einen Hektar großen Areals schließlich vor einem Staketenzaun den Nutzgarten, aus dem auch die Oma Rosenkohl, Salat und Gurken bezieht.

Mit Leichtigkeit und Harmonie

Was Elke Hasenwandel den ersten Preis des COUNTRY-Wettbewerbs eintrug, sind die Leichtigkeit und Harmonie, mit der die Architektin die Terrassen verbunden hat: Ein Beet aus Pfingstrosen und Purpurglöckchen lenkt den Besucher vom Haus zum Nutzgarten. Zwei Felsenbirnen verbinden unterschiedliche Ebenen, indem sie eine Sichtachse bilden. Umgekehrt fungiert eine Gruppe aus Strauchrosen, Sonnenblumen und einem überhängenden Perlmuttstrauch als romantischer Raumteiler zwischen Rasen und Nutzgarten – während am Zaun heimische Wildgewächse wie Eberesche, Schlüsselblume und Salomonsiegel einen natürlichen Übergang zum nahen Schurwald herstellen.

„Ich bin ein Fan von Gertrude Jekyll“, gesteht Elke Hasenwandel ihre Bewunderung für die „First Lady of Gardening“, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Elemente des Landschaftsparks mit denen des architektonisch-wohnlichen Gartens verband und so den neuen englischen Stil prägte. Bei den Pflanzenbildern, einem weiteren Jekyll’schen Markenzeichen, hat Elke Hasenwandel ihre eigene Note gefunden. Dem Garten verordnete sie bis auf wenige Ausnahmen farbliche Askese, selbst am Rasen hat sie keine bunte Rabatten arrangiert – sondern ein „graues Beet“ aus Heiligenkraut, Lavendel und der Katzenminze, das allerdings äußerst dekorativ ist.

Nur im Herbst zündet hier ein buntes Feuerwerk, wenn sich die Blätter des japanischen Ahorns, der Zierkirschen und Felsenbirnen rot-gelb färben, wenn die gefüllten Sonnenblumen und Dahlien blühen. Im Nutzgarten an der Klostermauer tragen dann auch Rosen und Rittersporn in zweiter Blüte Rot und Blau. Eigentlich keine schlechte Torwand für Johannes, den Fußballspieler ...

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Autor:
Dieter Schweiger