Pfingstrosen

Die Päonie - kaiserliche Hoheit

Sie vereint die Pracht des alten China mit dem Wunderglauben des christlichen Mittelalters. Die Geschichte der Päonie und ihrer Züchtungen ist so atemberaubend wie der Moment, wenn sich ihre Knospen öffnen. Eine kaiserliche Blume, die jetzt im Frühsommer ihre schönsten Blüten treibt.

Päonie Rosa

Mit der Prachtentfaltung einer Pfingstprozession zieht der Frühsommer durch das Land. Die Kastanien haben ihre Kerzen aufgesteckt, weiße und rote, in den Buchenhecken leuchtet das Grün. Abends singen die Amseln in den Gärten, und ein zarter Duft weht aus den Beeten. Die Päonien blühen!

Eine Art Geruchszauber, Rosen vermischt mit Maiglöckchen, obwohl die große Zeit der einen noch kommen wird und die der anderen schon vergangen ist, wenn sich zwischen Mai und Ende Juni die Blüten der Pfingstrosen öffnen. Ein kleines Naturschauspiel, das je nach Sorte kaum zwei Wochen, manchmal nur sieben Tage dauert und in China mit Feuerwerk und Laternenumzügen gefeiert wird. Dort gilt die Päonie seit 1500 Jahren als kaiserliche Blume, wird wegen ihrer Bedeutung in der traditionellen chinesischen Medizin kultiviert und wegen ihrer Schönheit verehrt.

Die Gattung der Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae) umfasst 33, vor allem in Asien beheimatete Arten und rund 3000 gezüchtete Sorten, wobei man krautartige Stauden und Sträucher mit holzigem Stamm unterscheidet. Letztere werfen im Herbst die Blätter ab, ihre verholzten Triebe verwelken im Gegensatz zu denen der Stauden-Pfingstrose nicht, deren dunkelrote, silberhaarige Triebe jedes Jahr zur Narzissenzeit aus der Erde brechen.

Aristokratische Selbstgenügsamkeit

Während sich die Wildformen der Strauchpäonie lediglich in China finden, stammen die Staudenpäonien aus Bereichen der gemäßigten Zonen Eurasiens. Sie gedeihen in einer Höhe von 800 bis 1500 Metern an Waldrändern, im niedrigen, dichten Unterwuchs. Wie die Strauchpäonien tolerieren sie widrige klimatische Verhältnisse, halten Hitze, Trockenheit und Kälte, selbst harschen Wetterumschwüngen stand.

Eine Pflanze von aristokratischer Selbstgenügsamkeit, die Jahrzehnte am selben Ort blühen kann, um dann unversehens und bei der geringsten Störung, etwa einer Veränderung der Bodenbeschaffenheit, so empfindlich zu reagieren, dass sich die Form der Blüte, manchmal sogar ihre Farbe verändert. Nicht umsonst tragen sie in China Namen wie „beschwipste kaiserliche Konkubine“ oder „König der weißen Löwen“. Ihre Majestät, die Päonie braucht Sonne – und Beständigkeit.

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Autor:
Simone Herrmann