Seerosen

Die Krönung des Teiches

So prächtig, so anspruchsvoll geben sich die schwimmenden Schönheiten: Sie verlangen Wärme, Licht und Zuwendung, dafür schenken sie uns kurzen, rauschhaften Blütenzauber.

Seerose

Selbst der größte Rationalist verfällt ihrem Reiz: Seerosen strahlen eine magische, geheimnisvolle, märchenhafte Aura aus. Sie scheinen über dem Wasserspiegel zu schweben, still, anmutig, unergründlich. Ein Teich ohne Seerosen ist wie ein Garten ohne Düfte – unsinnlich!

Aber die Königinnen der Wasserpflanzen haben Allüren. Für die meisten der tagblühenden Seerosen ist Sonnenlicht wie Champagner, um in Schwung zu kommen. Meist gegen zehn Uhr öffnen sie ihre fragilen Blütenkelche, die sie mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks gegen 17 Uhr, pünktlich zur Tea-Time, schließen. Ohne Sonne geizen sie mit ihren Reizen. „Wie alle Schönheiten stehen die Seerosen spät auf. Und selbst dann muss erst die Sonne scheinen und sie bitten“, notierte ein Freund des Malers Claude Monet, als er dessen Seerosenteich in Giverny (Normandie) bestaunte.

Monet war im Alter völlig gebannt von der ebenso subtilen wie flüchtigen Grazie der Seerosen und malte fast hundert seiner berühmten Seerosen-Bilder. Giverny und sein Seerosenteich sind bis heute eine Attraktion. Wer den Monet-Touch im eigenen Garten will, bestellt folgende Sorten: ‘Nymphaea Arethusa’ (rötlich), ‘N. Atropurpurea’ (dunkles Karminrot), ‘N. James Brydon’ (kirschrot) und ‘N. William Falconer’ (rubinrot). Sie wurden um 1900 vom ruhmreichen Joseph Bory Latour-Marliac gezüchtet. Dort bestellte Monet die damaligen Novitäten, die noch immer im Handel sind, und pflanzte sie eigenhändig ein. Als „schwimmende Beete“ beschrieb der Romancier Marcel Proust bei einem Giverny-Besuch die Inseln mit Seerosen, deren Blätter er mit den „Flügeln von Schmetterlingen“ verglich.

Schlagworte:
Quelle:
Autor:
Christa Hasselhorst