Blumen im Garten

Die Iris

Ihren Namen hat sie von einer griechischen Göttin. Kein Wunder also, dass die Iris auch im Garten für Aufsehen sorgt: In alle Farben des Regenbogens gekleidet, gerüscht und plissiert, bringt sie Glamour ins Beet. 

Gelbe Zwergiris

Albrecht Dürer porträtierte sie mit feinem Pinsel, Claude Monet und Vincent van Gogh huldigten ihrer magischen Leuchtkraft mit farbprächtigen Gemälden. Und in den 30er-Jahren wird sie mit ihren lasziven Blütenblättern auf den Blumenbildnissen der US-Malerin Georgia O’Keeffe zum Sinnbild erotischer Frivolität. Die Iris ist eine der symbolträchtigsten Urblumen der Menschheit. Bereits vor 4000 Jahren wurde sie auf Kreta kultiviert, und bis heute zieht uns die Schöne mit der stolzen Statur und den spektakulären Blüten in ihren Bann. Den Bauerngarten adelt sie mit ihrer skulpturalen Silhouette ebenso wie den formalen Garten, den sie mit extravagantem Habitus krönt. Die Faszination dieser Blume liegt in der betörenden Harmonie aus Form und Farbe.

Sinnliche Verführerin mit Bärtchen

Geradezu glamourös wirken ihre opulenten Blütenkelche, die in allen Farbnuancen irisieren. Daher benannte der griechische Gelehrte und Aristoteles-Schüler Theophrast die Iris oder Schwertlilie nach der Göttin des Regenbogens. Der griechische Pharmakologe Dioskurides erkannte vor rund 2000 Jahren ihren Nutzen als Heilpfl anze. „Die Violwurz ist zu vielen Dingen gut“, beschrieb er die nach Veilchen duftende und zu Iriskugeln verarbeitete Wurzel. Daher wurde sie später auch in den Klostergärten des Mittelalters geschätzt, dann begann ihre Karriere als Zierpflanze.

Durch Kaufleute, Kreuzfahrer und Soldaten war sie nach Nordeuropa gelangt. Wobei die deutsche Schwertlilie, Iris germanica, wie Carl von Linné sie taufte, jedoch aus dem Mittelmeerraum stammt. Aus dieser Bastard- Schwertlilie entstanden ab Beginn des 19. Jahrhunderts über Kreuzungen und Züchtungen die unzähligen Bartiris-Hybriden (Iris barbata), längst auch zweifarbig, gesprenkelt, mit andersfarbigem Bart und abgesetztem oder punktiertem Rand.

Bartiris ist ihr populärer (und ziemlich unsinnlicher) Name, den sie dem kleinen pelzigen Dorn am Schlund der äußeren, nach unten geschwungenen Hängeblätter verdankt. Diese umschließen die drei aufrecht stehenden Domblätter, beides zusammen bildet die attraktive Blüte, die im Lauf der letzten Jahrzehnte immer exaltierter geriet: Die hauchdünnen, seidenfeinen Blätter sind plissiert, gefältelt, drapiert, gerüscht – Haute Couture im Beet! Die Supermodels unter den Schwertlilien sind dabei die eleganten, bis zu 120 Zentimeter hohen Bartiris (barbata elatior), die ab Ende Mai bis Mitte Juni blühen.

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Autor:
Christa Hasselhorst