Die Grande Dame im Garten

Die Hortensie

Endlich tragen die Hortensien wieder ihre prächtigen Sommerkleider: Unzählige ball- und tellerförmige Blüten leuchten in tiefem Violett bis hin zu hellem Rosé und Creme durchs grüne Dickicht – als seien sie schillernde Perlenstickerei und raffiniert geraffte Rüschen.

Blaue Hortensie

Nachdem die Grande Dame unter den Blumen lange als altmodisch galt, feiert sie nun ein fulminantes Comeback: die Hortensie. Kaum ein Garten, in dem auf ihre geballte Blütenpracht und ihre kompakte, weich gerundete Silhouette verzichtet wird. Die Farbpalette reicht von tiefem Violett, Blau, Rot und Pink bis zu zartem Grün und sahnigem Weiß. Sie begrüßt schon früh den Sommer und ist ein Blickfang, sogar oft bis in den Oktober. Und dann bitte nicht zur Schere greifen! Denn: „Keine Blume stirbt schöner“, wusste schon der Potsdamer Gartenphilosoph und Staudenzüchter Karl Foerster. Meist ist die Hortensie nämlich winterhart und ihr Welken in morbiden Tönen eine Extraschau. 

Das blaue Wunder 

Die Biografie der opulenten Schönheit steckt voller Geheimnisse. Ihre Heimat ist – neben China, Tibet und Nordamerika – vor allem Japan. Von dort soll sie 1788 der englische Pflanzenjäger Sir Joseph Banks nach London gebracht haben. Pflanzenjäger wie er bereisten meist im Auftrag des Königs ferne Länder, um die heimische Sammlung mit neuen und seltenen Blumen zu bereichern. Eine zweite Theorie besagt, dass der französische Botaniker Philibert Commerson bei einer Weltumseglung die Hortensie 1767 in China entdeckte und mit nach Frankreich nahm. Das Einzige, was wirklich sicher ist: 1791 wurde ihr in England der Name Hydrangea hortensis gegeben. Das Wort Hydrangea ist schnell erklärt. Es kommt aus dem Griechischen und heißt schlicht „wasserziehend“, denn die Pflanze ist durstig. Aber was bedeutet „hortensis“?

Eine amouröse Anekdote erzählt, die Blume sei nach Hortense de Beauharnais, der Stieftochter Napoleons I., benannt. Aber wahrscheinlicher ist, dass der Name ganz einfach von „hortus“ – „der Garten“- abgeleitet wurde. Von Natur aus sind die meisten Hortensien weiß, rosa oder rot. Es ist ein bestimmtes Salz im Boden, das die Blüten blau und violett färbt (siehe „Kleine Pflanzenfibel“ S. 36). Um 1800 sorgte im Dresdner Palaisgarten eine Hortensie mit blauen Blütenbällen für Furore. 1830 sandte der Botaniker Franz von Siebold ein Exemplar in einem wunderschön verwaschenen Blauton von Japan nach Leiden. Er war für die holländische Krone unterwegs, und der Botanische Garten in Leiden gehörte schon damals zu den wichtigsten in Europa. Siebold nannte die Blume ‘Otaksa’ – eine Hommage an seine japanische Geliebte. Zunächst wurde die Exotin als wertvolles Sammlerstück gehegt; erst nach 1900 machte sie als Zierpflanze im Garten Karriere. 

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Autor:
Christa Hasselhorst