Zu Besuch bei Pflanzenhändlerin Irene Hoch

Die Blumenzwiebelhändlerin

Lilienblütige Wildtulpen, blauäugige Anemonen und fette Kaiserkronen: Die Pflanzenhändlerin Irene Hoch lässt in ihrem Berliner Garten Exoten und Raritäten erblühen – als Test für deren Qualität.  

Der Berliner Stadtteil Zehlendorf hat mit seinen stattlichen Gründerzeitvillen manche Sehenswürdigkeit zu bieten. Fußgänger jedoch, die an sonnigen Frühlingstagen durch die kopfsteingepflasterten Alleen südlich der Potsdamer Straße spazieren, bleiben vor einem unscheinbaren Haus mit grauer Fassade stehen. Staunend betrachten sie das Blütenszenario, das sich in ungekannter Farb- und Formenvielfalt vor ihnen auftut: In breiten Bändern und zu dicken Tuffs vereint, stehen Hunderte Narzissen auf der Wiese Spalier, in Gelb und Schneeweiß und Orangerot. Am Haus prunken fette Kaiserkronen mit unzähligen Tulpen um die Wette, die ihre orangefarbenen Kelche aus einer himmelblauen Wolke Vergissmeinnicht recken. „Da sollten Sie erst mal die dicken Allium im Juni seh’n. Dat sind richtje Klopper“, sagt Irene Hoch und verrät, dass die wahren Kostbarkeiten erst im hinteren Teil des Gartens zu finden sind.

Narzissen posieren stolz hinter Kaiserkronen

Nur auf den ersten Blick unspektakulär entdeckt man plötzlich überall elegante Kelche, zarteste Farbtöne – und schon lässt einen die Vielfalt nicht mehr los: hier sehr rare Wildformen von Lerchensporn und Alpenveilchen, dort Leberblümchen und Tulpen-Neuheiten, von denen es erst wenige Exemplare gibt. Unter kahlem Geäst, in dem ausgediente Compactdiscs sich glitzernd drehen, verbergen sich Hundszahn-Raritäten und anmutige Buschwindröschen. Das 1000 Quadratmeter große Grundstück der Berlinerin ist ein botanisches Schatzkästchen, wie man es kein zweites Mal findet. Irene Hoch betreibt die Firma Albrecht Hoch, den wichtigsten Versand von Blumenzwiebeln in Deutschland. Ihr privater Garten, der nur ein paar Schritte vom Firmensitz entfernt liegt, dient der gebürtigen Zehlendorferin als Experimentierfeld, um Pflanzen zu erproben und vor allem neue Sorten auf Echtheit in Farbe und Wuchs zu testen.„Was hier nicht seine Feuerprobe besteht, kommt auch nicht in unseren Katalog“, sagt die Firmenchefin.

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Autor:
Monika Schiffer