Wissenswertes über Pflanzen

Das Schneeglöckchen

Es gibt 1500 verschiedene Schneeglöckchen-Sorten, eine schöner als die andere. Und einige sind so selten, dass sie für 400 Euro versteigert werden. Kaum zu glauben bei einer Blume, die den Beinamen Milchmädchen trägt. 

Schneeglöckchen gelten als Inbegriff der Zartheit

Zerbrechlich sehen sie aus, wenn sie im rauen Wind mit ihren Köpfen nicken. Schneeglöckchen gelten als Inbegriff der Zartheit, dabei hätten sie einen Tapferkeitsorden verdient: Wie sie sich tollkühn durch die frostige Schneedecke kämpfen! Und weil sie so wacker dem Winter trotzen, berühren sie etwas in uns. Sie erzählen vom Frühling, wenn noch keiner mit ihm rechnet, von der Sonne, die uns bald wieder auf der Nasenspitze kitzeln wird. Und wir verharren andächtig, um diesen Moment der Vorfreude auszukosten.

Wie feines Porzellan

Wer bei einem winterlichen Spaziergang ganz genau hinschaut, bemerkt: Kaum eine Hängeblüte ähnelt der anderen. Es kommt auf die feinen Unterschiede an. Denn Galanthus nivalis, das Gewöhnliche Schneeglöckchen, hat unzählige Verwandte, darunter viele, die durchaus selten und wertvoll sind. Besonders begehrt ist das Schneeglöckchen ‘E. A. Bowles’. Es gilt als kostbarstes Schmuckstück der Gattung. Eines dieser Exemplare wechselte jüngst für 400 Euro auf Ebay den Besitzer. Die Blüten schimmern wie Bone-China-Porzellan in reinstem Weiß. Benannt wurde es nach dem berühmten britischen Botaniker Edward Augustus Bowles, der 1917 von der Royal Horticultural Society (RHS) mit der höchsten Medaille geehrt wurde.

Fast vollständig grün hingegen sind die Blütenblätter von ‘Green Tear’, einer Rarität, die unlängst für 340 Euro versteigert wurde. Das Schneeglöckchen ‘Ballerina’ macht mit den dicht gefüllten Blüten seinem Namen alle Ehre: Sie sind gerüscht wie ein Tutu. An Seidenkrepp wiederum erinnern die Kelche von ‘Diggory’ und ‘Augustus’. Auch gelbe Schneeglöckchen sind gefragt, zu den schönsten zählt ‘Primrose Warburg’ mit einer intensiven Färbung der inneren Blütenblätter und des Fruchtknotens.

All diese Blumen haben ihre ganz eigene Fangemeinde: Als Galantophile werden diejenigen Menschen bezeichnet, denen beim Anblick von Galanthus das Herz höher schlägt. Und dann sind da noch die Galanthomanen, die ganz Hartgesottenen, ja, beinahe Besessenen. Manische Sammler, die ständig auf der Jagd nach neuen und exquisiten Trophäen für ihre Kollektion sind.

Die prominentesten Züchter, die wichtigsten Versteigerungen sowie exzentrische Schneeglöckchen-Galas („by invitation only“) – all das findet sich vor allem in Schottland und England. Dort haben die auf den ersten Blick eher unspektakulären Pflänzchen seit dem 19. Jahrhundert hingebungsvolle Verehrer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb die englische Schriftstellerin und Gartengestalterin Vita Sackville-West: „Es ist eine sentimentale Liebe, die bis in unsere Kindheit zurückreicht.“

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Autor:
Christa Hasselhorst