Blumen

Die Sonnenbraut

Ganz egal, wie das Wetter wird, die Sonnenbraut verspricht einen strahlenden Gartensommer.

Sonnenbraut

Wer das Vergnügen hat, an einem warmen Spätsommertag mit Dori und Henk Jacobs durch ihren Garten zu spazieren, kann erleben, wie sie jede in den Beeten blühende Sonnenbraut mit einem Ausrufezeichen begrüßen. „‘Little Orange’! Sehr standfest, und das Orange ist so besonders.“ „‘Kupferzwerg’! Eine uralte, niedrig wachsende Sorte.“ „‘Feuersiegel’! Eine Foerster-Züchtung und eine der besten rot-gelb geflammten.“ Gut 120 Varietäten der Gattung Helenium haben Dori und Henk in ihrem Grün versammelt, und Menschen, die meinen, der August sei ein öder Gartenmonat, werden hier rasch eines Besseren belehrt.

In den Beeten glüht und lodert es in all den warmen, samtigen Farben, die die Staude zu bieten hat. Blüten leuchten in Zitronengelb und Orange, in Scharlachrot und Mahagonibraun, zweifarbig geflammt und gestrichelt, und scheinen der unnachgiebig strahlenden Augustsonne hier auf Erden Konkurrenz machen zu wollen. „Das ist einfach eine unglaubliche Pflanze“, schwärmt Henk. „Sie blüht überaus reich, ist absolut winterhart und pflegeleicht, einfach zu vermehren, sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten, eine hervorragende Bienenweide und Schnittblume, und ihre Samenstände sind im Winter Futter für die Vögel. Es wäre also ziemlich unklug, keine Sonnenbraut im Garten zu haben.“
 

Auf Karl Foersters Spuren

 
Dori und Henk sind leidenschaftliche Gärtner. Von Kind an haben sie sich mit Pflanzen beschäftigt und schließlich vor zwölf Jahren ihre Gärtnerei im ostholländischen Vriescheloo bei Groningen eröffnet. Ihr Pflanzenkosmos ist geprägt von der Arbeit der großen deutschen Züchter Karl Foerster und Ernst Pagels. Robuste Stauden also und natürlich immer wieder Gräser sind die Protagonisten sowohl in der Jacobs’schen Gärtnerei als auch in dem daneben liegenden 6000 Quadratmeter großen Garten, der Besuchern zur Verfügung steht.
 
Die besondere Liebe des Paares gilt jedoch der Sonnenbraut, einer Pflanze, die erst vor gar nicht langer Zeit wieder in das Bewusstsein von Züchtern und Gärtnern vorgedrungen ist. „Der Trend ging eben über Jahrzehnte hinweg eher zu pastelligen, kühlen Blütenfarben. Da passten die warmen Töne der Sonnenbraut einfach nicht hinein, und so ist sie irgendwann aus unseren Gärten verschwunden“, erklärt Dori. 
 
Das Umdenken kam mit der Vorliebe für einen natürlichen Look im Garten, für Beete im Prärie-Stil mit Gräsern und wildhaft anmutenden Stauden. „Ein Spätsommer oder Herbst ohne Helenium ist inzwischen undenkbar“, meint Henk. Mag sein, dennoch entsteht der Eindruck, dass die Pflanze nach wie vor nur in wenigen Gärten zu finden ist. Aber vielleicht kommt ihre große Zeit erst noch. Schließlich gehört die Sonnenbraut nicht zu den alteingesessenen Rabattenpflanzen, die sich seit Jahrhunderten in unseren Breiten bewährt haben.
 
Zwar reiste die im Norden Amerikas beheimatete Herbstsonnenbraut Helenium autumnale bereits um 1620 von den damaligen französischen Kolonien in Kanada über den Atlantik nach Paris. Von Frankreich allerdings breitete sie sich nur zögerlich aus. 1735 lernte Carl von Linné die Pflanze in den Niederlanden kennen und nannte sie „Helenium“. Der schwedische Naturforscher sah in den goldgelben Blütenblättern, die sich strahlenförmig um eine Mitte sammeln, das Offensichtliche: kleine Sonnen. Und so ließ er den Sonnengott Helios Pate stehen für die Staude, die im Deutschen einen ebenso treffenden Namen hat, nämlich „Sonnenbraut“.
 
Schlagworte:
Quelle:
Autor:
Marion Lagoda