Wissenswertes über die Natur
Im Zweifel für den Fisch
COUNTRY beantwortet Fragen an die Natur. Dieses Mal: Kann es Tsunamis auch in Europa geben? Spüren Fische Schmerzen? Und kriegen Pflanzen Sonnenbrand?
-
Kann es Tsunamis auch bei uns geben? Es ist noch gar nicht so lange her, geologisch gesehen: Vor rund 8000 Jahren überrollte ein bis zu 25 Meter hoher Tsunami die Küsten Norwegens und Schottlands. Auslöser war, anders als zuletzt vor Japan, kein starkes Erdbeben, sondern eine unterseeische Hangrutschung gigantischen Ausmaßes: am Storegga- Kontinentalhang vor der norwegischen Küste glitten mehr als 3000 Kubikkilometer Sediment in die Tiefsee und brachten das Meer in Bewegung. Solche „Landslide-Tsunamis“ drohen überall dort, wo steile Meereshänge von dicken Sedimentschichten bedeckt sind, in Europa etwa vor Teilen der Küste Norwegens und der britischen Inseln.
In flachen Schelfmeeren wie Nord- und Ostsee fehlt es dagegen an Gefälle – an der deutschen Küste ist deswegen schlimmstenfalls mit stark abgeschwächten Tsunami-Wellen aus dem Atlantik zu rechnen. Anders im seismisch aktiven Mittelmeerraum: Hier drohen klassische Erdbeben-Tsunamis. Die letzte katastrophale Flutwelle, die 1908 über Messina hereinbrach, ist zwar schon über 100 Jahre her, doch früher oder später rechnen Geologen mit dem nächsten „Big One“.
-
Können Fische Schmerz empfinden? Eine beliebte Frage zur Angelsaison, über die schon lange gestritten wird. Sicher ist: Fische besitzen wie der Mensch sogenannte Nozirezeptoren, Sinneszellen also, die auf die Wahrnehmung von Schmerzreizen spezialisiert sind. Auch reagieren sie auf Verletzungen, ätzende Säure oder Hitze mit entsprechendem Vermeidungsverhalten. Alles nur Reflexe, argumentieren die Petrijünger und sprechen den Tieren echte Leidensfähigkeit ab.
Doch jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass Schmerzreize im Fischgehirn intensive Aktivität auslösen, die jener in unserem Denkorgan stark ähnelt. Das neuronale Rüstzeug zur Wahrnehmung von Schmerz haben Fische also offenbar. Aber gleichen sich deshalb auch das menschliche und fischliche Empfinden, das subjektive Leid? Eine philosophische Frage, die sich mit den Mitteln der Naturwissenschaft nicht definitiv beantworten lässt. Aber gerade wenn es um vermeidbare Schmerzen geht, sollte auch hier wie in allen Fällen mit unklarer Beweislage gelten: im Zweifel für den Fisch.
-
Wie schützen sich Pflanzen vor einem Sonnenbrand? Pflanzen brauchen das Licht der Sonne, um Fotosynthese betreiben zu können. Doch durch dessen ultravioletten Anteil können auch ihre Zellen geschädigt werden, vulgo: einen Sonnenbrand bekommen. Pflanzen lösen dieses Dilemma unter anderem mit einem raffinierten zellulären Sonnenschutz: Pigmente aus der Klasse der Flavonole, die an der Blattoberfläche eingelagert werden, lassen das sichtbare, für die Pflanze lebenswichtige Licht durch, blocken den schädlichen UV-Anteil jedoch weitgehend ab.
„Zudem reparieren Pflanzen durch UV-Strahlung verursachte Schäden am Erbgutmolekül DNA besonders effizient und begrenzen so den Schaden“, sagt Roman Ulm von der Universität Genf. In einer im April im Fachblatt „Science“ erschienenen Studie löste ein Forscherteam um den Schweizer Botaniker jüngst auch das Rätsel, wie das Grünzeug die schädliche Strahlung überhaupt wahrnimmt: Schlüssel ist ein Eiweiß namens UVR8, dessen molekularer Schalter durch UV-Licht umgelegt wird.




