Zu Besuch in Kärnten
Sommer auf dem Bauernhof
Paradeiser sagt man in Österreich zu Tomaten. Das klingt nicht nur nach Garten Eden, auf einem Bauernhof in Kärnten lebt es sich fast auch so.
Spätsommerinsekten über queren laut summend den Platz vor dem alten Bauern haus im südlichen Kärnten. In höheren Schichten der Luft mischt sich eine niedersinkende, feuchte Schwüle mit dem trockenen, erdigen Geruch von gedroschenem Korn, der von den bereits abgeernteten Feldern ringsherum aufsteigt. „Wir haben hier wahnsinnig viel Bienenflug“, sagt Landwirtin Nora Grojer und deutet auf die Natur und Streuobstwiesen mit 20 verschiedenen Apfelsorten rund um den Hornishof – der aber nicht etwa nach herumschwärmenden Hornissen benannt wurde.
Seit 1740 ist der Hof in Familienbesitz, und auch der alte Walnussbaum, unter dem wir gerade sitzen und unter dem sich im Sommer das ganze Leben abspielt, hat schon ein paar Generationen gesehen. Hier kommt die Familie zusammen, hier werden Gäste bewirtet und die Schnaps und Likörsorten verkostet, die vor allem Noras Mann Helmut, hauptberuflich Bankangestellter, eigenhändig brennt: Apfelbrand, Schlehdorn, Himbeer oder Weichsellikör, Schnaps von der Quitte, der Pflaume, der Kirsche, von der Kärntner Hauszwetschge und der Kärntner Speckbirne, der Lieblingssorte der Hofherrin, die hier, im Freiluftwohnzimmer unterm Blätterdach, sogar ihre Buchhaltung macht.
Erfüllung in der freien Natur
Noch nie hat Nora Grojer es bereut, nach dem Tod des Vaters ihren Job in der Marketingabteilung einer Bank an den Nagel gehängt zu haben, um den elterlichen Hof zu übernehmen. Gemeinsam mit ihrem Mann und der Unterstützung ihrer Mutter Paula nahm sie die Herausforderung an, und auch ihre drei Kinder mussten mit anpacken. Der Besitz war ursprünglich nur halb so groß und das Geld knapp. Sie musste sich auf sich selbst und ihr Können verlassen und den Hof aus eigener Kraft in einen modernen, landwirtschaftlichen Betrieb umwandeln. In der freien Natur zu arbeiten, empfindet sie als viel erfüllender als Büroarbeit: „Da von war ich oft ausgepowert. Der Reichtum meines Lebens liegt jetzt in der Herstellung gesunder Lebensmittel – und im Zusammenhalt unserer Familie.“
Den Feldanbau gestaltete sie vielfältiger und produziert heute auf über 30 Hektar Land fast alles selbst, was man zum Leben braucht: Die Ernte von Weizen und Gerste ist in diesem Jahr schon eingefahren, doch Äpfel und Birnen, Zwetschgen und Walnüsse hängen noch schwer in den Baumkronen, und auch der Mais steht noch auf den umliegenden Feldern. Obst und Gemüse decken den Eigenbedarf, einzig die Kartoffeln werden auch für die selbst gemachten Käsnudeln verwendet, die sie ab Hof verkauft.
Quelle: COUNTRY 5/2011
COUNTRY 3/2012
